Urban Knitting | Sozialhygiene und liebevolle Beschlagnahme des öffentlichen Raums

Bei einem der letzten OSTWEST/Zigori-Clubabende war auch eine sympathische Meranerin dabei, die sich in einer Urban-Knitting-Initiative in der Passerstadt engagiert (KNIT CAFè merano). Nun nimmt sich der neu gegründete Vinschger Kulturverein “kognitiv” in Zusammenarbeit mit dem KNIT CAFè dieses interessanten Themas an.

kognitiv – Verein für Wahrnehmung” halte ich für die erfrischendste Südtiroler Vereinsgründung der letzten Jahre und ich hoffe, dass es den jungen Leuten gelingt, den Alten Schießstand in Latsch zu einem wirkmächtigen Kulturzentrum umzugestalten. Was zur Förderung und Aufrechterhaltung der Wehrkraft gebaut wurde könnte zum unverzichtbaren Lieferanten “geistiger Munition” werden. Viel Erfolg, liebe Vinschger Kulturpioniere!

Die Urban-Knitting-Initiative in Meran versteht sich nach eigener Darstellung als Treffpunkt für all jene, die an einem gemeinsamen kreativen Projekt teilnehmen möchten, welches darauf abzielt, den öffentlichen Raum wiederzubeleben und soziale Synergien zwischen Menschen verschiedener Generationen, Ausbildung, Interessen, Geschlechtern und Kulturen zu schaffen.

KNIT CAFè merano bei der Kulturarbeit, die auch Begegnung und Austausch fördert (Foto: KNIT CAFè)

KNIT CAFé schreibt auf der homepage von kognitiv weiter: Das Projekt ist von den Bewegungen des Urban Knitting, Yarn Bombing und Guerrilla Knitting inspiriert, welche sich in den letzten Jahren in vielen Großstädten entwickelt haben. Urban Knitting ist eine Form von Kommunikation, die den öffentlichen Raum nutzt und von der Street Art abstammt, diese aber auf gemäßigte und verträgliche Weise interpretiert. Das Projekt benutzt Garne als Ausdrucksmittel und verbindet heute kaum noch gepflegte handwerkliche Fähigkeiten und traditionelle Tätigkeiten sowie die Verbreitung des diesbezüglichen Wissens mit typisch modernen Ausdrucksformen und regelmäßigen Treffen.

Ich verstehe Urban Knitting als eine sehr sympathische Art, öffentlichen Raum liebevoll in Beschlag zu nehmen und die Sorge und das Bemühen darum zu dokumentieren – die Soziale Plastik in Reinkultur (Welch ein Triumph für Joseph Beuys!!!). Es reiht sich in eine Vielzahl von Initiativen und Bewegungen ein, die sich auf eine bürgerlich selbstbewußte Art damit auseinandersetzt, wie wir mit dem öffentlichen Raum umgehen. Es hängt von uns ab, ob unsere unmittelbare Umgebung vor allem im urbanen Bereich zur technisch dominierten Infrastruktur wird oder zur Kommunikations- und Begegnungs-Schnittstelle. Ich hoffe stark, dass wir uns für letztere entscheiden und dazu beitragen, diese Vision zu entwickeln.

Hier einige Beispiele für Urban Knitting Projekte in Europa:

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