Sorry, Rampold, ich habe mich getäuscht! | Eine Meinungsrevision

Ich muss mein mildes Urteil über Josef Rampold revidieren, nachdem ich mir einige seiner „Randbemerkungen“ durchgelesen habe die in den Achtziger-Jahren erschienen sind. Poldi Steurer hat zur Begleitung seines hervorragenden Einstiegsstatements anlässlich des Herr-Vortrages in Brixen einige Fotokopien mit entsprechenden Texten verteilt.

Wenn ich jetzt diese Texte von Rampold lese, die im Tagblatt erschienen sind und die mir damals wohl nicht so brisant vorgekommen sind oder die ich als seinerzeit recht mobiler Jungspund vielleicht einfach nicht gelesen habe, muss ich meinem Entsetzen darüber Ausdruck verleihen, wie brachial revisionistisch und nazi-freundlich Rampolds Elaborate zu einem guten Teil waren. Rampold zitiert Irving und greift in die unterste Stilschublade, verunglimpft antinazistische Widerständler und glorifiziert auf zynische Weise die „treu pflichterfüllenden“ Wehrmachtssoldaten, die (sic!!!) „im Innersten“ Nazi-Gegner waren.

Diese Rampold-Texte wären in Deutschland und Österreich – da pflichte ich Poldi Steurer bei – unter das Verbotsgesetz gefallen. Bei uns gehören sie aber zum offiziell und qua autoritas athesiae dekretierten guten Ton.

Ich muss mein Urteil über Rampold verschärfen: Während ich in einer ersten Bewertung seines Lebenswerkes in erster Linie selbstsüchtig an meine über „die Zeitung“ mit Rampold ausgetragenen Händel in Sachen Demokratie, Franz Josef Strauß etc. gedacht habe, habe ich vollkommen übersehen wie perfid und verwerflich der Rampold seine Position ausgenutzt hat, um seine eigene Nazi-Geschichte schön zu schreiben und nicht nur die für Südtirols gesellschaftspolitische Entwicklung fatale Schwamm-drüber-Mentalität unterstützte, sondern sogar noch primitivst jene angriff, die sich dem allgemeinen Nazi-Taumel entzogen hatten oder sogar aktiv dagegen auftraten.

Ich hoffe, dass Poldi Steurer, vor dem ich immer mehr Hochachtung habe, sein Vorhaben umsetzt, das Phänomen Rampold mal genauer unter die Lupe zu nehmen und anhand der Texte des Verblichenen exemplarisch aufzeigt, wie man in Südtirol mit der Nazi-Schuld umgegangen ist: Die Wehrmachts- und SS-„Kameradschaft“, ihre Ziele, Einstellungen und Methoden – wie beispielsweise die Meinungshetze – haben nach 45 in Südtirol nahezu bruchlos weiter bestanden, mit prominenten Bannerträgern vom Kaliber eines Josef Rampold, eines Willy Acherer und eines Karl Nicolussi-Leck an der Spitze. Möglichst viel und laut bellen, mögen sie sich gedacht haben, damit kommt man gegen die anti-nazistische Minderheit am besten an und wohl auch gegen das eigene Gewissen…

Advertisements