ARCHIV: Zum Tod von Josef Rampold | Heimatschützer, Schriftleiter, Ausgrenzer

AUS DEM ARCHIV (erschienen auf dem Markus-Lobis-Blog am 13.11.2007)

Mit Josef Rampold ist ein großer Südtiroler verstorben, der sein Land geliebt und ihm viel gegeben hat. Seine Sachkenntnis und sein Engagement als konservativer Heimatschützer haben eine wichtige und unüberhörbare Stimme getragen, die nun zwar verstummt ist, aber weiter Wirkung entfalten wird.

Josef Rampold war aber auch ein scharfer Ausgrenzer, der seine Macht als „Schriftleiter“ eingesetzt hat, um Menschen zu bekämpfen, die einen gesellschaftlichen und politischen Entwurf Südtirols zur Diskussion stellen wollten, der Rampold und den seinen nicht gefallen hat.


Es war vielleicht auch eine gewisse politische Nervosität in den Achtziger-Jahren, die zu überzogenen Reaktionen durch die viel zu wenig kritisierten Machthaber geführt haben, denen sich Rampold verpflichtet fühlte.


Dass es dabei öfter zu persönlichen Verunglimpfungen und Ausgrenzung als zu echten Debatten gekommen ist, liegt am Machtgefüge unseres Landes und am Mangel an Streit- und Diskussionskultur. Josef Rampold hat in meinen Augen wenig zur Behebung dieses Mangels beigetragen.


Wer erinnert sich nicht an die scharfen Kolumnen von „Mister X“, in denen Rampold immer wieder „gewisse Kreise“ attackiert und ihnen Verrat an Südtirol vorgeworfen hat, von einem erkennbaren Ekel gegenüber allem Roten und Grünen zu höchsten Stufen der Empörung getrieben?


Auch wenn Rampold anlässlich seiner Pensionierung zum 70. Geburtstag ein sehr versöhnliches Interview gegeben hat, in dem er sich deutlich selbst kritisiert und auch sein Bedauern über manches „Vergaloppieren im Zorn“ äußert, kann dies nicht darüber hinwegführen, dass er doch mit Stolz und Verve seine Rolle als moralische Instanz ausgespielt hat, wenn es galt, mißliebige Zeitgenossen in die engen Südtiroler Schranken zu weisen.


Dann auch die standhafte Verteidigung der „sauberen“ Wehrmacht und die zornige Verdammung jener, die das nicht so sahen. Wenn es in Südtirol noch zu keiner ehrlichen und konsequenten Aufarbeitung von Nationalsozialismus und Faschismus gekommen ist, dann hat dies auch mit der sturen Unterstützung  der „Schwamm-drüber-Lösung“ zu tun, die auch von Rampold als konstituierendes Element der Südtiroler Nachkriegsgeschichte gepflegt und nach Kräften gefördert wurde. Als „Hauptschriftleiter“ des Tagblattes „Dolomiten“ kam Josef Rampold dabei eine Schlüsselrolle zu.


Ich hatte in den Achtziger-Jahren verschiedentlich kleine Buchstaben-Scharmützel mit Rampold auszutragen, da schon damals der Leserbrief an „die Zeitung“ eine der wenigen Möglichkeiten war, kleine Diskussionen anzuzetteln. Öfter als heute musste man es sich damals gefallen lassen, dass dem abgedruckten Leserbrief Redaktions-Reaktionen beigefügt wurden – eine perfide Art, den Inhalt eines Leserbriefs zu relativieren, zumal dessen Schreiber keine Möglichkeit zur unmittelbaren Entgegnung hatte.


Der enorme Rampold-Jubel, den das Tagblatt der Südtiroler heute betreibt, scheint mir doch etwas übertrieben und ich werde den Eindruck nicht los, dass der Tod des zweifellos großen Südtirolers ein Anlass für den Weinbergweg ist, durch die massive Betonung der Werte, für die Rampold stand, die eigene tragende Rolle für das Land Südtirol zu unterstreichen.

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