Die Südtiroler Täter und die Juden | FF schreibt über interessante Ausstellung in Bozen

AUS DEM ARCHIV: erschienen auf Markus-Lobis-Blog am 5.3.2009

In der heutigen Ausgabe der FF-Das Südtiroler Wochenmagazin schreibt Georg Mair über eine interessante Ausstellung in der Stadtgalerie am Dominikanerplatz. Bis 4. April werden dort Dokumente gezeigt, die sich mit der Verfolgung der Südtiroler Juden durch Faschisten und Nationalsozialisten beschäftigen.

Im Internet habe ich einen guten Text über die Ausstellung gefunden, und zwar auf dem Blog http://antifatoscanini.wordpress.com/, den ich bisher nicht kannte, der aber offensichtlich von Südtirolern gemacht wird. Hier der Text über die Ausstellung:

In den von Faschismus und Nationalsozialismus dominierten Ländern Europas waren die Jahre von 1933 bis 1945 für die jüdische Bevölkerung Jahre des Schreckens. Zunächst aller ihrer Bürgerrechte beraubt, wurde ihnen danach auch das Recht auf Leben abgesprochen. Die Folge: Konzentrationslager, Gaskammern, Holocaust. In Italien wurden die Juden zunächst bereits im faschistisch dominierten Königreich verfolgt (bis 1943), später in der faschistischen Rumpfrepublik systematisch in die Vernichtungslager deportiert.

Diesen beiden Phasen der Judenverfolgung in Italien von 1933 bis 1945 ist die Ausstellung des Italienischen Schulamts gewidmet, die mit der Unterstützung der Kulturabteilungen des Landes und der Stadtgemeinde Bozen sowie der Pädagogischen Institute und der Jüdischen Kultusgemeinde in Meran nach Bozen geholt worden ist. Anhand von Zeitdokumenten zeichnet die vom CDEC (Fondazione Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea) realisierte Ausstellung die Judenverfolgung in Italien nach, wobei sowohl die allgemeinen Aspekte als auch Einzelschicksale ins Blickfeld gerückt werden.

Mit Hilfe der Arbeitsgruppe “Geschichte und Region” wurde die Ausstellung um lokalhistorische Bezüge ergänzt, nachdem Juden auch in Südtirol als Teil des faschistischen Italien und danach der Operationszone Alpenvorland verfolgt worden sind. Gewidmet ist die Ausstellung der 1940 in Bozen geborenen Olimpia Carpi, die als jügstes Opfer der Judenverfolgung in Südtirol nach Auschwitz deportiert und dort wahrscheinlich 1944 ermordet worden ist.

Es ist bezeichnend, dass sich das Italienische Schulamt um die Ausstellung bemüht hat. Wenn man allerdings weiss, dass Landeshauptmann Durnwalder noch 2003 öffentlich geäußert hat, die Südtiroler seien so wie die Juden Opfer des Nationalsozialismus und müssten deshalb den Juden gegenüber keine wie immer gearteten Demutsgesten zeigen, wundert einen das schon weniger.

Die Ausstellung ist auf jeden Fall sehenswert. Der Artikel von Georg Mair, der sich auch mit dem Schicksal der Meraner Juden auseinandersetz und kurz auf die nach dem Krieg in die Passerstadt zurückgekehrte Lotti Goliger Steinhaus eingeht, lesenswert.

Hier ist er:
FF 5.43.09 Südtiroler Täter Judenverfolgung

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