„Hier haben wir es eindeutig mit Marktversagen zu tun“ | Klaus Wellershoff im Tagesanzeiger

Klaus Wellershoff kenne ich seit seinen Aussagen im Film „Kulturimpuls Grundeinkommen“ von Daniel Häni und Enno Schmidt (hier geht’s zum Film). Mich hat damals überrascht, dass der damalige Chefökonom der Kapitalistenfestung UBS die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als realistische Option einschätzte und befürwortete.

Heute ist Klaus Wellerhoff Berater – genauso wie sein ehemaliger Kollege von der Deutschen Bank Norbert Walter. Was passiert eigentlich in den großen Banken, dass sich vor allem jene Köpfe, die sich mit der Zukunft beschäftigen, weit vor der Zeit verabschieden und in das Beraterfach wechseln? Aber das ist eine andere Frage.

Im Interview im schweizerischen Tagesanzeiger geht Wellershof prägnant und kurz auf die Ursachen und Auswirkungen der Finanzkrise ein und legt auch offen, wo die hochgelobten und gebenedeiten Märkte versagen. Er sagt auch, wer die Profiteure sind und welche Angst hinter dem Druck auf den Euro steckt.

Wellershoff geht nach einer entsprechenden Frage auch auf das bedingungslose Grundeinkommen ein und verteidigt seine positive Einstellung aus liberaler Sicht: Mit dem Grundeinkommen könnte man das für ihn ineffiziente und undurchschaubare Sozialsystem abschaffen. Was zum Teil ja auch stimmt, tatsächlich verpuffen ja über 27% der Hartz4-Mittel für Verwaltung und Kontrolle. Es wäre aber zu kurz gegriffen, den sozial- und demokratiepolitischen Paradigmenwechsel, der mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens verbunden ist, lediglich als neoliberale Rationalisierungsmaßnahme zu verstehen.

(Quelle: Tagesanzeiger, auf das Bild klicken, um zum Interview zu gelangen)

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