Die „Haut der Erde“ wird aufgeteilt | Unter den üblichen Geiern, die den Hals nicht voll kriegen können

Im Radiokolleg von Ö1 habe ich heute Vormittag wieder einmal einen sehr interessanten Beitrag gehört. In „Die Haut der Erde“ ging es um die Ressource Boden und den Landraub, der immer brutalere Züge annimmt.

Verschiedene Experten gingen in der von Joanna Stockhammer und Matthias Haydn gestalteten Reportage auf das Thema Boden ein und beleuchteten verschiedenste Aspekte dieser dünnen und über die Maßen fragilen „Erdenhaut“, die immer mehr zum Spekulationsobjekt verkommt. Im Beitrag kam auch der Begriff des „Peak Soil“ vor, der von Theodor Friedrich in die Debatte eingebracht wurde. Der FAO-Experte für Landwirtschaft geht davon aus, dass die Menschheit so wie beim Peak Oil auch im Bereich des Bodens an dem Punkt angelangt ist, ab dem die nutzbaren Landwirtschaftsflächen nicht mehr zu- sondern abnehmen.

Besonders angesprochen haben mich die Aussagen von Brigitte Reisenberger, die für eine NGO mit Namen FIAN arbeitet. FIAN heißt „Food First Information and Action Network“ und beschreibt sich selbst als „internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht sich zu ernähren“.

Neugierig geworden ging ich auf die Suche nach dem Web-Auftritt und habe unter www.fian.at und www.fian.de sehr interessante Informationsquellen gefunden. Wer umfassend über den verbrecherischen Umgang mit der Ressource Boden und die unfassbaren und verwerflichen Praktiken des Landraubs informiert werden will, ist dort richtig.

Die Kultur- und Sozialanthropologin Reisenberger hat im „Radiokolleg“ sehr gut herausgearbeitet, welche verheerenden sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen es hat, wenn Finanzierungsgesellschaften und Konzerne korrupten Regierungen riesige Ländereien abkaufen und die Menschen, die von diesen Böden leben, erst davon erfahren, wenn die Bagger auffahren und marodierende „Sicherheitsleute“ oder häufig sogar Polizei- und Militäreinheiten sie vom Land vertreiben, das sie und Generationen ihrer Vorfahren bebaut haben, um zu überleben.

Landraub explodiert nachgerade. Reiche Länder mit schlechten Voraussetzungen für die Nahrungsmittelproduktion wie die Ölstaaten Arabiens und Finanzgesellschaften, ebenso wie mittlerweile auch Pensionfonds und riesige Agrarkonzern kaufen, mieten, pachten was sie kriegen können und zahlen teilweise weniger als einen Euro Pacht pro Hektar und Jahr, beispielsweise in Äthiopien, wo Flächen in der Größenordnung von 300.000 und mehr Hektar abgegeben werde. Oft sind das Flächen, die in der regionalen Rechtstradition als Allgemeingut angesehen werden und seid Jahrhunderten im Einklang mit den regionalen Traditionen bewirtschaftet werden.

Laut Brigitte Reisenberger, die sich auf Zahlen der Weltbank beruft, kamem 2009 60 Millionen Hektar an Land in die Hände von „Investoren“, das ist in etwa die Fläche von Frankreich. 2008 waren es noch 4 Millionen Hektar gewesen. Beim barbarischen Landraub mischen auch die Europäer kräftig mit. Es wird geschätzt, dass ca. 40% der Unternehmen, die sich am weltweiten Landraub beteiligen, aus der EU kommen.

Verschärfend kommt hinzu, dass zunehmend in großindustrieller Form Energiepflanzen angebaut werden, die häufig die Produktion von Nahrungsmitteln verdrängen und für die Böden verheerende Auswirkungen haben.

Obwohl alle wissen, dass das Engagement der Finanzheuschrecken das Hungerproblem in keinster Weise löst, sondern nachweislich verschärft, finden diese Neo-Imperialisten viel Unterstützung im Allerheiligsten der organisierten Kriminalität, der Weltbank.

Wie in vielen anderen Bereichen unseres außer Rand und Band geratenen Wirtschaftssystems sehen wir auch hier, wie menschenverachtend und zynisch der Raubtierkapitalismus geworden ist. Er wird in unserem Namen betrieben und verschaft Wenigen obszöne Profite.

Ein Grund mehr, sich zu empören!

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