Durni wird nervös | Kleiner Vorfall, große Wirkung

Die Neue Südtiroler Tageszeitung berichtet heute über einen kleinen Vorfall am Rande der letzten Landtagssitzung: Ein verärgerter Luis Durnwalder hat dort dem Vernehmen nach die journalistische Speerspitze der Ebner-Presse, Barbara Varesco, in Zusammenhang mit der Berichterstattung des Tagblatts „Dolomiten“ zusammengeputzt.

Ich habe Durnwalder schon verschiedentlich bei seinen Abrechnungen auf Augenhöhe beobachtet und war auch schon mehrere Male Gegenstand seiner liebevollen Zuwendung. Er geht dabei vor, wie man es auch im Tierreich beobachten kann, wenn sich der Leitbulle in seiner Rolle in Frage gestellt sieht.

Einmal wurde ich Zeuge einer skurillen internen Abrechnung.

Bei der Eröffnung des Fernheizwerks der Stadtwerke Brixen in der Mozartstraße – es war kurz vor den letzten Landtagswahlen – kamen Landesrat Laimer und der Landtagsabgeordnete Arnold Schuler gemeinsam an den Ort des Geschehens und begrüßten die dort Versammelten freundlich und gut gelaunt. Durnwalder kam etwas später und näherte sich der Gruppe. Da fiel mir auf, dass Laimer und Schuler plötzlich ungewohnt ruhig wurden und beide im Gesicht puterrot anliefen. Da musste vorher irgendetwas geschehen sein, Laimer und Schuler wirkten wie ertappte Schulbuben. Durnwalder machte die Runde und gab den Anwesenden in aufgeräumter Stimmung die Hand. Dann kam die Reihe an Laimer und Schuler und Durnwalder führte die beiden regelrecht vor: Er streckte ihnen sein Hand entgegen und zog sie dann blitzartig zurück, als der jeweils so Bedachte sie ergreifen wollte. Eine schallende Ohrfeige hätte nicht demütigender sein können.

Das selbe Spiel wiederholte der Landeshauptmann etwas später mit dem damaligen Präsidenten des Brixner Gemeinderates Gebhard Dejaco. Dejaco, damals auch Präsident des Landesfischereiverbandes, war dem Landeshauptmann wohl durch kritische Aussagen bezüglich der Restwassermengen und der Genehmigung von E-Werken auf den Schlips getreten – und musste sich nun in der Öffentlichkeit demütigen lassen.

Ich war damals als Brixner Gemeinderat auch anwesend. Mir hat Durnwalder die Hand gegeben, nicht ohne mir aber ein paar wohl ausgewählte Unfreundlichkeiten zu zu raunen, die ich – wie schon bei anderen Gelegenheiten – freundlich aber bestimmt pariert habe.

Ich erinnere mich an einen andere Durnwalder-Nettigkeit, die sich nach einer TV-Übertragung des Rai-Formats „Runder Tisch“ zugetragen hatte. Ich war als Diskussionteilnehmer eingeladen und hatte Durnwalder und seinen pro-BBT-Kurs direkt und sehr deutlich kritisiert. Bei der Verabschiedung nahm er meine Hand, zog mich ein bisschen an sich heran, senkte den Kopf in Angriffshaltung, blickte mir herausfordernd in die Augen und warf mir so leise, dass nur ich es hören konnte eine recht gemeine Aussage an den Kopf. Auch diese denke ich elegant pariert zu haben.

Nun ist also Barbara Varesco in den Mittelpunkt Durnwalderscher Aufmerksamkeit geraten, wie die Neue Südtiroler Tageszeitung heute berichtet.

(Quelle: NSTZ, auf das Bild klicken, um zur Leseansicht zu gelangen)

Es ist lustig, wie Artur Oberhofer den Vorfall beschreibt und wie er sich auch darüber amüsiert, dass die „Dolomiten“-Redakteure diese Art der Konfrontation wohl noch nicht gewöhnt sind, die für „Journalisten kleiner und kritischer Medien in Südtirol zum täglichen Brot gehören“, wie Oberhofer schreibt.

Nun muss sich die Journalistenkammer mit dem Vorfall beschäftigen und wird es auf die seriöse und professionelle Art und Weise tun, die wir von Südtiroler JournalistInnen uneingeschränkt erwarten dürfen.

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