Das ist einfach nur verrückt! | Neapels Müll wird in den Niederlanden verbrannt

Wer „Gomorrha“ von Roberto Saviano gelesen hat, weiß, welches Geschäft hinter der Müllentsorgung in Süditalien steckt. Der Gift- und Industriemüll aus halb Europa wird gegen Bares in Kiesgruben, Senken und Mulden gekippt, irgendwo am Strand vergraben oder auf ein Schiff geladen, das „in Seenot“ gerät, bzw. ganz einfach versenkt wird.

Täglich bringen Dutzende von LKWs Giftiges, Ätzendes, Explosives, Strahlendes, Stinkendes in den Süden, die letzten Kilometer bis zur improvisierten Deponie werden von halbwüchsigen Rom-Kindern gefahren, weil die LKW-Fahrer sich weigern, die gesundheitlichen Belastungen bei der Entladung hinzunehmen.


Kommt jetzt in die Niederlande – Hausmüll aus Neapel (Foto DPA)

Die Entsorgung des Hausmülls gerät dabei ins Hintertreffen. Während die Bevölkerung bei den illegalen Deponien oft nicht viel mitbekommt oder es vorzieht, dem entsprechenden Clan nicht auf die Zehen zu treten, sind die Empörung und der Widerstand gegen offizielle Deponien oder Verbrennungsanlagen umso größer.

Deshalb stapelt sich der Müll im Großraum Neapel oft tagelang mitten auf den Straßen der Millionenstadt. Die Aufteilung der Müllfahrten unter Clans und deren Helfern tun ein übriges dazu.

Nun feiert Neapel einen „Befreiungsschlag“ und sogar das normaler Weise äußerst ökosensible und couragierte Tagblatt „Il fatto quotidiano“ feiert mit, denn es wurde offensichtlich ein Weg gefunden, der billiger ist, als der Transport in überregionale Deponien in Sizilien oder Apulien: In Kürze wird der napoletanische Müll auf Schiffe verfrachtet und in den Niederlanden verbrannt. Die Stadtverwaltung erspart sich damit anscheinend fast zwanzig Millionen Euro.

Ich finde das einfach nur verrückt, weitgehend ungetrennten Hausmüll über tausende Kilometer zu transportierten und dann zu verbrennen. Abgesehen davon, dass es der Camorra bald „gelingen“ wird, Sondermüll hineinzuschmuggeln, wie dies bereits bei Müllfrachten zu Verbrennungsanlagen im Ruhrgebiet geschehen ist, die eine Zeitlang mit zwei Sonderzügen pro Tag über den Brenner gebracht wurden, ist dies ein ökologischer Wahnwitz!

(Quelle: Il fatto quotidiano, auf das Bild klicken, um zum Artikel zu gelangen)

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