Deutschnationaler (Süd)Tirol-Patriotismus | Poldi Steurer zeigt rechte Schlagseite im Schützenbund auf

In der heutigen FF ist ein sehr treffender Leserbrief von Poldi Steurer erschienen. Steurer zeigt darin die Doppelmoral der Schützen auf: Beleidigte Aufregung wenn man sie auf die braunen Fransen im Schützenbund anspricht, ostentativ vorgebrachte antifaschistische Floskeln (wobei die Faschisten natürlich samt und sonders nur Italiener sind) und augenzwinkernde Kumpanei mit Ewiggestrigen – all das bringt der Schützenbund offenkundig unter den Trachtenhut.

(Quelle: FF – Südtiroler Wochenmagazin)

Aus ff 16 vom 19. April 2012

Leserbriefe: Jeder Zeit ihre Provokateure

ff 15/12 brachte in der Titelgeschichte ein Interview mit Hans Karl Peterlini über die Identität der Schützen

H.-K. Peterlini meint, die Schützen seien das „nationalpatriotische Gewissen des Landes“. Was dies konkret bedeutet kann er z. B. sehr leicht an dem vom Südtiroler Schützenbund 1998 herausgegebenen „Liederbuch“ überprüfen. Hier eine kleine Auswahl zum Lesen und Singen:

S. 37 „Argonnerwald“, das Lied eines deutschen Pioniers, der 1915 an der Westfront einen „Franzmann“ gefangennimmt;

S. 69 die erste Strophe des „Deutschlandliedes“ („… über alles in der Welt …“), das bekanntlich in Deutschland verboten ist und nur von Rechtsextremisten gesungen wird;

S. 294 „Wir sind der deutsche Süden“, ein „Kampflied der Bewegung“, (= der illegalen Nazis des Völkischen Kampfringes Südtirols) von 1935 mit dem Refrain „Wir werben und wir sterben fürs deutsche Unterland“.

Nicht wenige Gründerväter des Schützenbundes trugen auch immer stolz ihre NS-Kriegsauszeichnungen zur Schau. Zum letzten Mal habe ich dies beim Schützenmarsch gegen das Siegesdenkmal am 20.Mai 1991 gesehen. Da marschierte doch ein alter Schütze gemeinsam mit Pius Leitner und Eva Klotz gegen den „Faschistentempel“ (O-Ton Schützen) und auf seiner Brust prangte unter anderem das eiserne Kreuz mit dem Hakenkreuz!

Kurz gesagt: Die Schützen verkörpern die Tradition des „deutschnationalen“ (Süd)Tirol-Patriotismus. Dieser aber hat im Kampf mit seinem Widerpart auf italienischer Seite (Irredentismus, Nationalismus, Faschismus) immer auch zur Zerstörung (Süd-)Tirols beigetragen.

Leopold Steurer, Meran

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4 Kommentare zu „Deutschnationaler (Süd)Tirol-Patriotismus | Poldi Steurer zeigt rechte Schlagseite im Schützenbund auf

  1. Ich stand am Rande des Riesen-Umzugs beim Alpenregionsfest der Schützen in Brixen und habe eine Viertelstund „Nazis raus!“ geschrien. Das hat mir gut getan. Es gibt einen Carabinieri-Bericht und einige Leserbriefe dazu.

  2. male ein großes transparent auf dem steht: “euer antifaschismus ist einseitig und unglaubwürdig!” und stell dich damit beim schützenumzug an den straßenrand

    … hab ich dir mal vorgeschlagen. ich bin kein aktivist und trau mich sowas nicht, aber es wäre sehr wohl nötig, die heuchelei, die es innerhalb des schützenbundes gibt, stärker hervorzustreichen.

    es amüsiert mich dabei immer wieder, wenn menschen, die nationalistisch denken und ihre national-patriotische ideologie über alles stellen, eindrucksvoll vor augen geführt bekommen, wie idiotisch ihre ideologie ist. denn konfrontiert mit nationalismus von anderer seite haben die nationalisten auf einmal ein riesiges problem mit dieser ideologie. das müsste doch eigentlich zu denken geben, oder?

    das lied des völkischen kampfringes südtirol erinnert frappierend an ein liedchen, das alles andere als verboten ist:

    Stringiàmci a coòrte,
    Siam pronti alla morte.
    Siam pronti alla morte,
    L’Italia chiamò!
    Sì!

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