Das Einfallstor für den Rassismus in die Welt des kleinen Mannes | Eine phänomenale Analyse von Hans Karl Peterlini

Hans Karl Peterlini ist eine der herausragenden Journalistenpersönlichkeiten in Südtirol und er hat einen sehr ausgeprägten Spürsinn für gesellschaftliche Entwicklungen. Auf der Facebookseite „Menschen gegen Flaschen – solidarietà con i minacciati“ hat er einen hervorragenden Kommentar zu den Anschlägen von Vintl geschrieben. Mit schwer zu erreichender Prägnanz und Schärfe bringt er auf den Punkt, was passiert, wenn unter den kleinen Leuten Krieg geschürt wird.

(Hans Karl Peterlini, Facebook, 6. Mai 2012)

Besonders schwerwiegend finde ich jene Kommentare, die zwar Gewalt gegen Asylanten verurteilen, aber im nächsten Satz feststellen: Das wird nicht das letzte Mal sein, weil den Menschen geht die Luft aus oder man dreht ihnen den Kragen ab, wenn nichts getan wird gegen das Problem – und schon sind nicht mehr die Gewalttäter das Problem, sondern jene, die Gewalt erleiden, jene, die in der Regel zuerst auf Stammtischniveau zu Untermenschen herabgewürdigt werden und dann im Extremfall auch einmal totgeschlagen oder brandgeschatzt werden.

Diese simple Denkfigur, die aus Menschen ein Problem macht, das gelöst werden muss, manchmal eben auch endgelöst, ist das Einfallstor für den Rassismus in die Welt des guten kleinen Mannes, der sich seines Unrechts nicht bewusst ist, gar nichts böses zu denken oder wollen glaubt, ja so viel Verständnis hat, aber dann im Aber die Lösung findet – schlicht des Biedermanns, der sich am Ende als Brandstifter wiederfindet und nicht weiß, was er getan hat.

Extremtaten sind grauenhaft, aber sie sind nur Symptome einer lieblich auftretenden Alltagskultur, die den Anderen per se zum Problem macht. Ich glaube, darauf gibt es keine andere Antwort als die „ohne-wenn-und-aber-Feststellung“, dass Menschen kein Problem sein dürfen, das man lösen muss, dass wir alle Ausländer sind und Fremde, die von irgendwoher kommen und irgendwohin gehen, dass wir alle Gast sind auf dieser Erde und dass jene, die sich Herren wähnen dieselben sind, die humane, soziale und ökologische Verwüstung über uns und unseren Planeten bringen.

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Ein Kommentar zu „Das Einfallstor für den Rassismus in die Welt des kleinen Mannes | Eine phänomenale Analyse von Hans Karl Peterlini

  1. Wunderbare Stellungnahme Peterlinis gegen die unsäglichen Auftritte der Freiheilichen zu dem Anschlag nach dem Motto: Die Neger sind schuld weil sie da sind. Und das nach den Leiden der Südtiroler unter dem Faschismus – schon vergessen und jetzt selber Faschisten?
    Andreas

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