Frei.Wild | Völkisch-nationalistische Melange aus dem Rockmusikantenstadl

In einem Artikel im Wochenmagazin „Die Zeit“ bezeichnet Johannes Radke die Südtiroler Rockgruppe „Frei.Wild“ als „die neue Reichskapelle“ und zeigt das rechte bis rechtsextreme Grundmuster auf, das dem Erfolg der Gröl-Truppe zu Grunde liegt. Die Mischung aus Heimatliebe, Blut und Boden-Romantik und nationalistischem Pathos kommt an. Dass in einem kleinen Land in den Alpen gerade das Theutschtum ausstirbt und theutsche Brüder und Schwestern mit brutalen Methoden um die Segnungen der germanischen Hochkultur gebracht werden, ist nachgerade ein Erfolgskatalysator für Burger und seine Recken.

In einem bereits im Mai in der Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienen Artikel setzt sich Johannes Radke kritisch mit den Südtiroler Rockern auseinander und untersucht den Boden, auf den die kruden Botschaften aus Kernalpinien fallen. Das Fazit ist beunruhigend: Die Grenzen zwischen Alpen-Romantik und Rechtsextremismus verschwinden, Frei.Wild liefert Premium-Futter für Rechtsradikale.

(Quelle: Die Zeit online, auf das Bild klicken, um zum Artikel zu gelangen)

In Südtirols traditionell konservativer Politik und Gesellschaft ist die Freude über den Erfolg der „Südtiroler Burschen“ groß, die uns über den in der Watt- und Speckrepublik tief sitzenden Minderwertigkeitskomplex hinweghelfen. Sie beweisen, zu welchen Höchstleistungen Südtiroler fähig sind. Dass Frei.Wild zu den Speerspitzen völkischer Propaganda gezählt werden muss, ist ein Nebeneffekt, der dem politischen Establishment in Südtirol gut ins Konzept passt. Die Aufrechterhaltung der Opferrolle Südtirols und das Prinzip der ethnischen Trennung gehören zu den Säulen der Südtiroler Verfasstheit und die einzigen Befindlichkeiten, in denen sich SüdtirolerInnen wiederfinden – Opfer zu sein oder die Besten – vermischen sich bei Frei.Wild zu einem unwiderstehlichen Teig, aus dem für alle Knödel gemacht werden können.

Der Ritterschlag für völkisch-nationalistische Musik-Propagandisten: Der Fraktionsvorsitzende der SVP im Südtiroler Landtag, Elmar Pichler-Rolle, freut sich über eine Begegnung mit Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger

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8 Kommentare zu „Frei.Wild | Völkisch-nationalistische Melange aus dem Rockmusikantenstadl

  1. Wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe, dann sind für euch die Südtiroler im Herzen rückständige und erzkonservative Nationalisten. Deshalb und nur deshalb könne Frei.Wild in Südtirol auf solch große Unterstützung hoffen; harte Unterstellungen. Gewiss, ich bin kein Südtiroler und kann die Südtiroler Mentalität sicherlich schlecht einschätzen, sondern mich nur aus verschiedensten Quellen ein Bild von Südtirol machen.
    Südtirol hat in der Geschichte immer wieder unter der Herrschaft und dem Einfluss fremder Mächte einschneidende Entscheidungen über sich ergehen lassen müssen (Hitler-Deutschland, Italien z.B.) und die deutschsprachigen Südtiroler waren lange Zeit in einer Minderheitenrolle. Aus einer solchen Minderheitenrolle, gepaart mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung, entsteht immer eine Verbundenheit zur eigenen Gruppe, die ohne den entsprechenden Kontext als Nationalismus missinterpretiert werden kann. Sicherlich wird diese Minderheitenrolle in der Neuzeit nicht mehr
    von Südtirol eingenommen (mittlerweile gehört Südtirol ja zu den wohlhabensten Regionen Europas mit weitreichenden Autonomiebefugnissen), dennoch wird von den älteren Generationen die Werteverbundenheit an die jüngeren weitergegeben; nicht aus böser Absicht, sondern weil sie die Vergangenheit kennen.

    Auf diesem Nährboden finden die Texte von Frei.Wild Anklang, aber nicht nur dort, sondern auch bei uns, in Deutschland.

    Wer in Deutschland aufwächst, kann sich schwer mit Deutschland identifizieren. An unseren Schulen hängen keine Flaggen, wir singen die Nationalhymne wenn überhaupt nur bei Sportveranstaltungen. Vielen Deutschen, vor allem jungen Deutschen, geht das auf die Nerven. Man möchte einfach sich als Deutscher fühlen können, ohne als Nazi zu gelten.

    Warum ist es in Deutschland so furchtbar verwerflich von Heimatliebe zu singen? Ist es verwerflich, ein Gefühl der Geborgenheit und Verbundenheit für sein Dorf, seine Region, sein Land zu pflegen? Viele Texte sprechen uns aus der Seele.

    Vielfach fällt der Begriff „Nationalismus“ in Bezug auf Frei.Wild, so wie hier auch. Diese Einschätzung ist aber schlichtweg nicht haltbar. Zutreffend ist der Begriff des Patriotismus: Eine Verbundenheit und Liebe zur Heimat.

    Die Texte von Frei.Wild sind patriotisch, heimatbezogen, aber sicherlich nicht völkisch-national. Gewiss, „Südtirol“ ist an vielen Stellen eine sehr drastische Ausdrucksweise, aber wir reden über Musik, und Musik ist eine Kunst, eine Kunst von Melodien und Rhythmus, aber auch von Worten. Genau wie ein Gedicht interpretiert werden kann, so will auch ein Text interpretiert werden.
    Rockmusik muss hart und provokant sein. Texte wie „Südtirol“ sind es, genauso gibt es auch ernste Texte mit klar Anti-rechten Passagen:

    „Da, wo wir leben, da wo wir stehen
    Ist unser Erbe, liegt unser Segen
    Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache
    Für uns Minderheiten eine Herzenssache
    Das, was ich meine und jetzt werft, ruhig Steine
    Wir sind von keinem Menschen die Feinde
    Doch wir sind verpflichtet, dies zu bewahren
    Unser Tirol gibt ’s seit zwölfhundert Jahren.
    […]
    Nicht von gestern, Realisten
    Wir hassen Faschisten, Nationalsozialisten
    Unsere Heimat hat darunter gelitten
    unser Land war begehrt, umkämpft und umstritten
    Patriotismus heißt Heimatliebe
    Respekt vor dem Land und Verachtung der Kriege[…]“

    aus „Wahre Werte“

    Ist das der Text einer Naziband? Sind das völkische Gedanken? Ich glaube nicht.
    Jedes Lied muss auch in der Gesamtheit betrachtet werden: Mit dem losgelösten Rockbeat von „Südtirol“ hat die ernste Ballade „Wahre Werte“ wenig gemein und gibt dem Lied ein ganz anderen Stellenwert. Einem Sänger nur seinen Text vorzulegen und daraus zu zitieren ist eben nur die halbe Wahrheit.

    Wer schon einmal auf einem Frei.Wild Konzert war, der kennt die Stimmung: Losgelöst, freundlich, partymäßig. Keine erhobenen rechten Arme, keine Nazi-Parolen. Warum sollte eine rechte Band ihre Anhänger „Nazis raus“ skandieren lassen? Ich sehe nirgendwo einen Grund, wieso sich Frei.Wild einerseits so massiv gegen Rechte auflehnen sollte, andererseits aber selbst rechts sein soll.

    Über die musikalische Qualität lässt sich, weil subjektiv, streiten. Wenn ich auf ein Rockkonzert gehe, dann erwarte ich aber auch etwas anderes, als beim Opernbesuch. Vier Akkorde reichen nunmal für guten Rock (siehe Axis of Awesome).

    Frei.Wild bedient eine Niesche, die als Tabuzone gilt. Das beweisen viele Medienberichte in Deutschland. Es ist unschön von Heimatliebe zu singen. In den Medien hat die Band schon ihren „rechten Ruf“ und wird in wahrscheinlich so schnell nicht wieder verlieren. Ich als Fan finde das schade, denn es schadet sicherlich nicht der Band, sondern nur den Fans. Ebenfalls gibt das Vereinigungen wie der NPD die Möglichkeit, Frei.Wild zu instrumentalisieren (siehe Mahnwache der NPD vor der Echo-Verleihung…. so ein Schwachsinn! Kleine Anmerkung von mir am Rande).

    Ein Gutes kann ich dem ganzen Zirkus um Frei.Wild jedoch abgewinnen: So lange man sich auf Frei.Wild und die eingeschworene Fangemeinde eingeschossen hat, können die wahren Rechtsrock-Bands nicht auf der Bildfläche erscheinen.

    1. Bitte keine Mythenbildung über die Verbundenheit der SüdtirolerInnen mit Frei.Wild!

      Ich bin Südtiroler und ich bin das gerne. Frei.Wild gefällt hier in Südtirol im Schnitt und im Verhältnis wohl gleich vielen Leuten wie anderswo, wenn man die abzieht, die sich sofort auf Fotos stellen, wenn irgendwo die Begriffe „Erfolg“ und „Südtirol“ in dieser Kombination auftauchen. Ich leide nicht unter der Zerreissung Tirols, sondern eher unter einer patriarchalisch-agrarisch geprägten Regionalpolitik und der sehr konservativen Grundstimmung in meinem Ländchen.

      1. Als Versuch der Mythenbildung sind meine Ausführungen nicht zu verstehen, sondern als schlichte Theorie.

        Eine (patriarchalisch)-agrarische Politik lässt sich in ländlichen Gebieten wohl schwer umgehen; und als solches ist Südtirol wohl anzusehen.
        Die Texte von Frei.Wild sind mit den heimatverbundenen Passagen selbstverständlich konservativ geprägt, doch das ist noch kein Indikator von völkisch-nationalistischem Denken. Konservativismus ist nichts schlechtes und kann in unserem rasant gewordenen Alltag einen Fixpunkt am Horizont darstellen. Manche gehen eben in die Kirche, andere hören konservative Musik. Das ist in Ordnung, so lange man nicht in Chauvinismus oder Extremismus ausufert.

  2. Es ist traurig mitanzusehen wie Leute die sich scheinbar mit dem Thema nicht fünf Minuten auseinander gesetzt haben so ein Thema aufgreifen und so einen Schwachsinn von sich geben. Freiwild hat sich wiederholt gegen rechtes Gedankengut ausgesprochen in Liedern und in interwies. Bsp. Das Lied Wahre werde wo im Text klare Aussagen gegen Nationalsozialismus und Faschismus getroffen werden.
    Ich selbst als Nordtiroler finde es eine Frechheit so etwas in einer Zeitung lesen zu müssen als wie jeder patriotischer Mensch der viel auf seine Heimat hält ein Ausländerhassender Neonazi sei. Die Tiroler sind nun mal sehr stolz auf die Schönheit ihres Landes und ihrer Bräuche und wiesen dies zu schätzen. Wird die Schönheit des Landes in der Volksmusik besungen womit sich praktisch jedes dritte Lied befasst scheint es keinen zu stören. Umsonst reisen ja nicht abertausende Touristen in dieses Land und Schwärmen von der Schönheit und Gastfreundlichkeit der Leute. Aber scheinbar ist Heimat Verbundenheit etwas Böses und man hört in Tirol auch so oft auf übergriff an Ausländer.

    1. Ach du armes Opfer! Ich und einige andere haben sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt – und nicht nur ein paar Minuten! Wir kommen zu unseren Schlüssen, die Euch gefallen können oder auch nicht! Interessant ist, dass Euch keine anderen Argumente einfallen, als irgendwelches bräsiges Geschwurbel. Auf die konkreten Vorwürfe wird nie eingegangen.

  3. Ich mag Frei.Wild bei Gott nicht, aber ich frage mich, warum Sie hier die Bodenständigkeit und die Konservativität der Südtiroler denunzieren? Der Artikel „der Zeit“ empfinde ich, trotz meiner Antipathie für die Gröler, als wertlos. Man diffamiert alle Fans als Rechtsextreme, man differenziert nicht, man analysiert bestimmte Lieder ohne den geschichtlichen Kontext respektive die Lage der Herkunft zu beachten. Auch wenn Sie das vielleicht anders sehen, ich sehe eine explizite Differenz zwischen einer Minderheit und einem Staat wie Deutschland und solches Liedgut muss auch dementsprechend behandelt werden. Gerade die Tatsache, dass in Südtirol selbst die Linken wohl kein Problem mit Frei.Wilds Liedgut haben, sollte Ihnen doch zu denken geben. Würden Sie die Basken auch belächeln? Ich denke als „Nicht-Minorität“ kann man das kaum erfassen. Eine Blut- und Bodenideologie kann ich trotz kritischer Bretrachtung in den Texten nicht erkennen.- Auch in dem bö(h)sen (Achtung, sehr flacher Witz) Lied namens „Wahre Werte“ nicht. Solches Liedgut bedeutet etwas komplett Anderes, wenn es auf Südtirol bezogen ist. Südtirol historisch mit Deutschland gleich zu setzen, wäre falsch.

    In einem muss ich Radke allerdings Recht geben: Grölgesang ist die zutreffende Bezeichnung.

    Ich frage mich allerdings, warum man den Grölern die Möglichkeit gibt, ihren Pathos auszuleben? Die Heckscheibenaufkleber auf den VW Golfs (Onkelz-Klischee) wären uns erspart geblieben, hätte man sie einfach tot geschwiegen. Das wäre bei deren (nicht vorhandenen) musikalischen Leistungen durchaus möglich gewesen.
    Wie gesagt, das Liedgut empfinde ich in keinster Weise als rechtsextrem, aber die Personen dahinter umso unsympatischer.

    1. Gut, in Anbetracht der Tatsache, dass sie wohl auch ST sind, habe ich mich wohl selbst ins Aus katipuliert. 🙂 (Einsicht ist der beste Weg zur Besserung) lch beharre allerdings auf dem Standpunkt, dass Frei.Wild kein rechtsextremes Gedankengut in den Liedtexten propagieren, sondern eher mit prolligen Stammtischparolen um sich werfen.

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