In Zeiten wie diesen Pflichtlektüre | Wegweisendes Gespräch mit Paul Mattick

Den folgenden Artikel habe ich im Februar veröffentlicht und setze ihn nun wieder in die Top-Position, weil Mattick uns mit dem Rüstzeug ausstattet, um auf die aggressive Bekämpfung der Bürgeranliegen durch Polizei- und Militärmethoden zu reagieren, wie dies gerade in Frankfurt in Zusammenhang mit Blockupy passiert oder wie es im Herbst in den USA praktiziert wurde.

Ende Februar 2012 wird in der Edition Nautilus die deutsche Übersetzung des neuen Buches von Paul Mattick junior erscheinen. Unter dem Titel „Business as Usual. Krise und Scheitern des Kapitalismus“ befasst sich der amerikanische Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler mit den aktuellen Krisen und stellt sie in ein Verhältnis zu marxistischen Theorien, die verblüffende Erkenntnisse über die Krise unseres Systems vorwegnehmen.

Auf „kosmoprolet.org“ ist ein sehr ausführliches Interview mit Paul Mattick jun. erschienen, das ich für einen wesentlichen Beitrag in der aktuellen Debatte um eine Neuausrichtung des Wirtschaftens versus die Rettung des bestehenden Systems halte.

Mattick ist darin nicht sehr optimistisch und befürchtetet in den nächsten 50 Jahren Verwerfungen, die die bisherigen Weltkriege in den Schatten stellen werden. Einen Ausweg aus dieser schlimmen Perspektive erkennt Paul Mattick in einer Radikalisierung der politischen und gesellschaftlichen Debatte, die allerdings auch große Gefahren in sich berge, denn die Gegenseite verfüge über starke wirtschaftliche und militärische Mittel und werde nicht zögern, sie einzusetzen.

Ich habe als Schlußfolgerung aus dem sehr ausführlichen und brillant übersetzten Interview zwei Zitate von Paul Mattick herauskopiert:

„Ich denke, dass die Kämpfe gegen die Sparprogramme radikaler werden müssen. Sie müssen sich ganz direkt auf materielle Güter konzentrieren. Es gibt im Moment zum Beispiel Millionen von Leuten, die aus ihren Häusern geworfen wurden. Es gibt also viele leere Häuser, die Leute müssen damit beginnen, diese leeren Häuser zu beziehen. Es gibt viele Nahrungsmittel, also müssen sich die Leute diese Nahrungsmittel nehmen. Wenn Fabriken geschlossen werden, müssen die Leute in die Fabriken gehen und damit beginnen, Güter herzustellen. Aber sie dürfen nicht erwarten, dass ihnen Unternehmerinnen und Unternehmer Jobs geben.“

„Es hat von allem genug. Die Leute müssen anfangen, es sich zu nehmen. Sie müssen ganz direkte Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen fordern – ganz konkrete Dinge. Statt Arbeit zu fordern, die sie sowieso nicht bekommen, müssen sie etwas zu essen fordern. Es wäre ein sehr intelligenter Zug zu sagen: Schön, ihr könnt uns keine Arbeit geben – dann gebt uns was zu essen, und zwar gratis. Es ist ja nicht so, dass es nichts zu essen gäbe. „

Unabhängig davon, wie man zu den Handlungsvorschlägen von Mattick steht, halte ich seine Analysen für sehr stimmig und zutreffend, auch was die Notwendigkeit der Überwindung des Keynesianischen Interventionsmodells und die Aktualität der Theorien von Karl Marx betrifft. Ich rate jedem und jeder, dieses Interview in aller Ruhe zu lesen und übernehme es hier von http://www.kosmoprolet.org, mit dem Dank dafür, dieses zentrale Zeitdokument zur Verfügung gestellt zu haben.

(Quelle: kosmoprolet.org, auf das Bild klicken, um zum Interview zu gelangen – PDF)

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