Poldi Steurer im Ostwest/Zigori-Club | Die Aufzeichnung des sehr interessanten Gesprächs

Am 10. Oktober war der Meraner Historiker Leopold „Poldi“ Steurer mein Gast im OSTWEST/Zigori-Club. Von seiner eigenen Biographie ausgehend haben wir uns verschiedenen wichtigen Abschnitten der Zeitgeschichte angenähert und diese sowohl aus Südtiroler Sicht wie auch im internationalen Kontext beleuchtet.

Ein anregendes Gespräch über Themen, die in Südtirol gerne „vergessen“ werden    (Foto: Alex Wallnöfer/CACTUS)

Die zwei Stunden waren im Nu verflogen. Die Diskussion kam diesmal leider zu kurz, unter anderem auch deswegen, weil eine Zuhörerin Schwierigkeiten damit hatte, sich an die Regeln einer halbwegs geordneten Debatte zu halten.

Ich darf für unseren Club in Anspruch nehmen, dass in diesem Gespräch wohl zum ersten Mal auch Interessierte außerhalb des Freundeskreises von Poldi Steurer die Gelegenheit erhalten, diesen facettenreichen, hoch gebildeten und akzentuiert kritischen Menschen von einer anderen Seite kennen zu lernen.

Steurers Bild in der Öffentlichkeit wurde über lange Jahre vor allem von der Abneigung und vom Hass der alten Naziriege geprägt, die Poldi Steuerer in den Mittelpunkt seiner 1976 abgeschlossenen Dissertation stellte: „Südtirol zwischen Rom und Berlin 1919-1939“, so der Titel der Dissertation, erschien 1980 als Buch und dem Wehrmachts-Freund und autoritären Dolomiten-Schriftleiter Josef Rampold fiel dazu nicht recht viel mehr ein, als ein unseliger Spruch, der einen vermeintlichen Geistesmenschen zum hohlen Interessenträger macht. „Für Südtirol wäre es besser, wenn dieses Buch nie erschienen wäre!“ besprach dieser wichtige Meinungsbildner die Arbeit Steuerers und vielen konservativen und nazionalsozialistisch belasteten „Südtiroler Opfern der Geschichte“ war dies Anlass genug, Buch und Autor zu verdrängen und wieder an die „Aufbauarbeit“ zu schreiten und den nachträglich dekretierten Dornröschenschlaf zwischen den 1920er und 40er nicht zu stören, der nur fallweise durch fürchterliche Alpträume unterbrochen wurde, bei denen schlimme italienische Faschisten ein Rolle spielten.

Auch einer Reihe anderer hochrangiger Altnazis, die nach dem Krieg weitgehend reibungslos wieder an hohe Positionen in der Südtiroler Gesellschaft und ihren Institutionen zurück kehrten oder gar aufrückten, war der Historiker lästig und man entdeckte ein probates Mittel, seine Wirkung im konvervativen Umfeld zurück zu drängen: Man erklärte ihn als Linken, als Kommunisten gar und sorgte damit nachhaltig für eine soziale Randlage.

Hier nun das Gespräch, das mir ausnehmend gut gefallen hat.

Ein herzlicher Dank geht an den OSTWEST-Club und an Alex Wallnöfer für die herausragenden Fotos, sowie an das alternative Meraner Stadtmagazin CACTUS.

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