Wir retten Griechenland! | Denkste …

Ich fürchte, wir braven Bürger-Lämmer haben glatt nicht mitbekommen, dass den Reichen und den Banken seit 2008 ein geniales Schurkenstück gelungen ist, mit dem wir nicht nur um unser Geld betrogen werden, sondern auch noch die Erklärung ins Gesicht geklatscht bekommen, dass wir alle zusammen echte Idioten sind. Erinnern wir uns: Die Banken hatten sich verzockt, große Fonds konnten ihre Renditeversprechen nicht einhalten, reiche Investoren mussten fürchten, erhebliche Verluste einzufahren. Es gab eine veritable Finanzkrise, die 2010 einen weiteren Höhepunkt erreichte.

Seither ist einiges passiert und wie es der großartige Johannes Voggenhuber auf den Punkt brachte, ist aus der Finanzkrise, die die achso hochgelobte Finanzindustrie betroffen hat eine gewaltige Staats-Schuldenkrise geworden. Die europäischen Banken haben seit 2008 die unvorstellbare Summe von 4.500.- Milliarden Euro erhalten, um sich nach ihren abenteuerlichen Spielchen zu „rekapitalisieren“, die Finanzminister und die EZB stehen mit ihren Scheckheften bereit, um die nächste Bank „zu retten“.

Von den einstmals märchenhaften Gewinnen der Bänker war plötzlich nichts mehr da – oder halt nicht da, wo man darauf hätte zugreifen können. Verbrecherisch angehäuftes Privateigentum wird als „heilig“ geschützt, mit wohlwollendem Augenzwinkern hebt man ganz sacht den Zeigefinger, wenn von Offshore-Steuerschlupfklöchern die Rede ist – um dann doch wieder alles beim alten zu lassen. In Liechtenstein, in der Schweiz, in den Steuerparadiesen und letzthin vermehrt in Singapur wird privates Kapital gebunkert, die Verluste werden den Staaten aufgebürdet, in denen willfährige Politiker die neoliberalen Bereicherungs- und Ausbeutungsstrategien hingebungsvoll unterstützen.

Aber – das ist alles viel zu kompliziert. Freuen wir uns doch darüber, dass im britischen Königshaus Nachwuchs bevorsteht, diskutieren wir darüber, ob es ein Bub oder ein Mädchen wird und welche Folgen das auf die Thronfolge hätte…

Derweil werden in den Parlamenten weiter „Hilfspakete“ geschnürt, beispielsweise für Griechenland. Und es wird so getan, als ob diese Finanztransfers in Fässer ohne Böden ohne Alternative seien. Dabei geht es aber nie und nimmer darum, Griechenland oder gar den GriechInnen zu helfen.

Worum es geht, erklärt hier mit schonungsloser Deutlichkeit die hochintelligente und bestens informierte Sahra Wagenknecht.

Aber das ist ja alles viel zu kompliziert. Da ist es besser, den Hartz-4 empfangenden Nachbarn unter Beobachtung zu halten, der gestern eine ganze Kiste Mineralwasser in seine Wohnung geschleppt hat. Darf er das?

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4 Kommentare zu „Wir retten Griechenland! | Denkste …

      1. Ist in der Tat eine sehr brillante und offene Rede, die auch zur Sprache bringt was u.a. Export in anderen Ländern verursachen kann und gleichzeitig überzeugt mich die Aussage von Andreas Popp das viele dieser Probleme verursacht werden von unserem derzeitigem Zinssystem und daher erst durch grössere Systemänderungen langfristig gelöst werden können. Details unter http://www.wissensmanufaktur.net/vortraege

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