„Wirtschaft“ zulassen? | Einspruch, Willy!

In der Januar-Nummer des „Brixner“ hat sich Willy Vontavon im Rahmen seines Editorials als Chefredakteur mit dem Thema „Wirtschaft“ beschäftigt und in Zusammenhang mit Brixen die Forderung aufgestellt, mehr Wirtschaft zuzulassen.

Hier das Editorial:
Editorial Willy Jan 2014 Wirtschaft - Auszug

Einspruch, Willy!

Natürlich fühlte ich mich von diesem Text angesprochen, gehöre ich doch zu denen, die nicht alles für heilsam halten, was von der „Wirtschaft“ kommt und ich gebe zu, dass ich gegen die Ideen der Brixner „Wirtschaft“ in Sachen Hofburggarten war, so wie mich auch das Seilbahnprojekt Brixen-St. Andrä als überdimensionierte Werbefläche mit überschaubarer Nahverkehrsfunktion nicht überzeugen kann.

Ich habe mich also hingesetzt und einen Kommentar geschrieben und diesen an die Redaktion geschickt, mit der Bitte, angesichts der nötigen Ausführlichkeit und der großen Bedeutung des Thema den Abdruck eines Gastkommentars ins Auge zu fassen. Diese Bitte wurde von der Redaktion ausgeschlagen und ich wurde eingeladen, mein Anliegen wesentlich kürzer in Leserbriefform darzustellen, was ich dann auch gemacht habe.

Für meinen Kommentar wähle ich nun meinen Blog und hoffe, dadurch eine Diskussion anzustoßen, die wir in Brixen dringend brauchen. Ich bedaure es sehr, dass der Platz im „Brixner“ für eine vertiefende Debatte nicht bereit gestellt werden kann.

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Überlegungen zum Editorial im Jänner-Brixner

„System Ort“ oder neoliberales Profitkarussell?

In seinem Leitartikel in der Januar-Nummer des „Brixner“ geht Willy Vontavon auf die Bedeutung der „Wirtschaft“ ein und fordert mehr Freiraum dafür und eine höhere Akzeptanz der Projekte und Forderungen der „Wirtschaft“ in Brixen.

Gleichzeitig kritisiert Vontavon die kritische Einstellung offenkundig zahlreicher BürgerInnen, die jede kreative Idee aus der „Wirtschaft“ „medial diskreditieren und politisch abschmettern“ (Zitat) und fordert diese Neinsager auf, die Verantwortung für nicht geschaffene und/oder verloren gegangene Arbeitsplätze zu übernehmen.

Es würde den Rahmen sprengen, erschöpfend auf diese diskutable Verallgemeinerung zu antworten. Ich möchte aber an dieser Stelle einige Aspekte von einer anderen Seite aus beleuchten.

Da wäre zuerst einmal zu klären, was man unter dem Begriff „Wirtschaft“ zu verstehen hat. Und fasst man den Begriff weiter, als dass man damit einige Brixner Wirte, Kaufleute und Unternehmer meint, wird die Skepsis vieler BürgerInnen gegenüber alten Rezepten zur Wohlstandsvermehrung plötzlich plausibel: Schließlich war es die „Wirtschaft“, die in einem beispiellosen Beutezug in den letzten Jahren Tausende von Milliarden an Vermögen und Steuergeld vernichtet hat. Oder haben wir schon vergessen, dass die europäischen Staaten und SteuerzahlerInnen seit 2008 4.500 Milliarden Euro an die Bannerträger der „Wirtschaft“, die Banken, transferieren „mussten“ um sie zu „retten“?

Die europäische Zentralbank verleiht heute Geld zum Zinssatz von 1% an die Banken, um den „Wirtschaftskreislauf“ am Laufen zu erhalten. Die Banken kaufen damit Staatsanleihen, die nötig werden, weil die Staaten mit Steuergeld die Banken retten müssen. Mit der Zinsdifferenz, die wir SteuerzahlerInnen bezahlen, sorgen die Banken wieder für „Gewinne“ – natürlich offshore oder in den USA.

Hier könnten noch unzählige Beispiele dafür eingefügt werden, wie unsinnig und pervers unsere „Wirtschafts(un)ordnung“ im Zuge des Siegeszuges des Neoliberalismus geworden ist, es sei nur das Stichwort „Konzerne“ genannt. Alles „Wirtschaft“, natürlich.

Das führt uns aber im Fall Brixen nicht weiter, was allerdings auch für die im Editorial von Willy Vontavon betriebene Schwarz/Weiss-Malerei gilt.

dieter steger
Das „System Ort“ ist ein interessanter Denkansatz, den Dieter Steger immer wieder vorbringt

Einen konstruktiven Ausweg aus dieser Sackgasse bietet das von Dieter Steger immer wieder vorgebrachte Konzept vom „System Ort“ in Verbindung mit einer möglichst intensiven Regionalisierung und Ökologisierung der Wirtschaftskreisläufe. Und mit einem neuen Verständnis von „Wirtschaft“, das an die Stelle des quantitativen Wachstums die Suche nach Qualität und neuen Werten setzt und sich eindeutig von perversen Auswüchsen des neoliberalen Profitwahns abgrenzt.

Das „System Ort“ Stegerscher Prägung funktioniert nur auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten. Zwischen Produzenten, Verteilern, Konsumenten. Zwischen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen aller BürgerInnen. In einem ehrlichen und offenen Austausch, ohne missionarischen Segensanspruch auf der einen Seite und a priori-Skeptizismus auf der anderen. Im Dialog eben.

Dialog funktioniert nur auf Augenhöhe. Also: Runter vom hohen Ross, Brixner „Wirtschaft“, wer oder was immer das sein soll!

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Ein Kommentar zu „„Wirtschaft“ zulassen? | Einspruch, Willy!

  1. Wer sich im globalen oder wenigstens europäischen Bereich mit Wirtschaft näher beschäftigt, der wird sich der bekannten US-Rating Agentur Weiss anschließen, die einen katastrophalen Wirtschaftschscrash voraussagt, der durch den zusammenbrechenden Rettungsschirm im Euroraum verursacht wird und dadurch vor allem die deutsche Wirtschaft zum Einbruch bringt. Dieser Crash wird alles bisher Dagewesene übertreffen und der „Wirtschaft“ weltweit den Garaus machen.

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