„Der Qualitätsjournalismus hat sich den Wonnen des Neoliberalismus verschrieben“ | Walter van Rossum im Interview

Eine geschätzte Bekannte hat mich auf ein äußerst interessantes Interview hingewiesen, das dem Namen der Plattform, auf der es erschienen ist, alle Ehre macht. Nachdenkseiten.de heißt diese interessante Webseite und das Interview hat Jens Wernicke mit dem Journalisten und Medienkritiker Walter von Rossum geführt.

Es ist ein langes Interview, in dem von Rossum nicht nur seine Sicht vom Funktionieren von Medien darlegt und von jenen, die sich machen; er beschäftigt sich vielmehr auch mit der Befindlichkeit der Adressaten der Medienarbeit und mit dem schwieriger werdenden Verhältnis zwischen Sender und Empfänger journalistischen Werkens.

Walter van Rossum

Mit bestürzender Offenheit legt van Rossum dar, welch schlimme Qualitätsverluste die journalistische Arbeit in unseren Tagen erleidet und mit welcher Chuzpe mittlerweile quer durch alle Medien Journalismus von Propaganda überlagert wird.

Einige Zitate aus dem Interview mögen das Interesse wecken, es zur Gänze zu lesen:

Rossum über die Ukraine-Berichterstattung:

Tatsächlich haben wir es ja mit einer Orgie von Enten, Fehleinschätzungen und grotesken Einseitigkeiten zu tun, die selbst mich noch verblüfft hat. Aber ich habe auch das Gefühl, das Publikum oder wenigstens ein Teil desselben sucht jetzt den Bruch, versteht, dass diese Medien Teil des Problems und keineswegs Lösung sind.

Rossum über journalistische Qualität:

Dass journalistische Qualität die Instrumentalisierung der Öffentlichkeit verhindern und nicht erst ermöglichen sollte, das ist eigentlich so trivial, dass man es kaum auszusprechen wagt.

Rossum über Konformismus:

Im Gegensatz zu früheren Herrschaftssystemen ist der bürgerliche Mensch inzwischen mit seiner eigenen Unterdrückung regelrecht … identifiziert.

Rossum zur Rolle der Leitartikler in Zusammenhang mit der Islamismus-Debatte:

Mir wird allerdings auch schlecht, wenn ich lese, wie unsere Leitartikler, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, bei jeder Gelegenheit ihren dämlichen Antiislamismus als aufgeklärten Tiefsinn verkauft haben, jetzt so tun als hätten sie mit dem Rassismus der Straße nix zu tun.

Ich danke meiner Bekannten für den Hinweis auf die Nachdenkseiten und werde mich in Zukunft wohl öfter dort aufhalten. Nachdenken haben wir zur Zeit wohl vor allem anderen dringend nötig.

Lesen Sie das ganze Interview auf Nachdenkseiten.de!
(auf das Bild klicken, um zum Interview zu gelangen)
Nachdenkseiten

 

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