„Wir haben es satt“ | Bericht von der Agrarwende-Demo in Berlin

von Katharina Hohenstein

Das „Wir haben es satt“- Bündnis zog am 17. Januar internationale bäuerliche Vereinigungen, Konsumenten sowie Tierschutz- und Umweltverbände an: rund 50.000 Menschen demonstrierten in Berlin für eine Umkehr in der europäischen Agrarpolitik. Und gegen das geplante Handelsabkommen TTIP.
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 Über 50.000 Menschen demonstrierten in Berlin gegen die aktuelle Agrarpolitik (alle Fotos: DieAusloeser.net, Berlin)

Auf die Frage der RAI-Journalistin Marianne Kasseroler, wie viele Menschen wirklich auf den Straßen Berlins waren, da die Polizei von weit weniger Menschen berichtete als die Organisatoren, sagte Frieder Thomas, Geschäftsführer des AgrarBündnisses (Mitorganisator der Demonstration), er gehe von knapp 50.000 Menschen aus: „Soweit mir berichtet wurde, hat die Polizei irgendwann aufgehört zu zählen, weil es so viele waren“.

Mitaufgerufen hatten internationale Bewegungen, die alle eine sofortige Umkehr in der Landwirtschaftspolitik fordern, wie z.B. die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, Campact, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, La Via Campesina, Brot für die Welt und viele weitere. Gekommen waren Bauern, Imker, Verbraucher; angeführt von einem Traktorenkonvoi, deren Fahrer aus ganz Deutschland angereist waren. Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt“-Bündnisses, fordert ein Stop von TTIP: Es diene vor allem der Ausweitung der Großkonzerne und „wird hier und weltweit vielen kleinen bäuerlichen Betrieben die Existenzgrundlage entziehen“.

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Auch das geplante Freihandelsabkommen TTIP war Gegenstand des Protests

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland wehrt sich dagegen, dass die „Agrarindustrie ihre Produktionskosten auf die Allgemeinheit abwälzt“ und zieht Bilanz der letzten Jahre: „Der Protest gegen die bisherige Agrarpolitik bringt erste Erfolge. Dank rund 250 Bürgerinitiativen wurden mehr als 100 Riesenställe nicht gebaut“. Auch der Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Georg Janßen, arbeitet gegen eine Weiterführung der „Wachsen oder Weichen“-Politik, die dem Export höchste Priorität einräume und damit vor allem die Agrarindustrie bediene.

Wir haben es satt Jan 15 3 Foto DieAusloesernetDerzeit belasten viele Probleme die Bauern, die im Einklang mit der Natur und der Enkelgeneration arbeiten wollen

Mit der Demonstration wird auch deutlich, dass Bauern und Konsumenten in einem Boot sitzen. Und oft sogar das gleiche wollen: Faire Preise, faire Entlohnung, faire Landwirtschaft. Für Südtirol ist dieser Ansatz, mehr Lebensmittelvielfalt für die eigene Bevölkerung ökologisch vertretbar zu produzieren, eine Möglichkeit. Auch hier ist eine Landwirtschaftspolitik gefragt, die die Weichen dafür stellt. Ein vermehrter Verkauf von regionalen Bioprodukten in der Gemeinde Mals sei übrigens bereits eingetreten, bestätigen Lebensmittelhändler.

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