Repair-Café im Ostwest Club | So gehört’s gemacht!

Ich bin stolz auf meinen geliebten Ostwest Club Estovest. Mitte Februar hat dort erstmals ein Repair-Café stattgefunden. Mehrere Handwerker hatten sich eingefunden und reparierten kaputte Geräte, Fahrräder, Möbel und Gebrauchsgegenstände, die von den Besuchern mitgebracht worden waren.

Künftig wird es jeden letzten Montag im Monat im Ostwest Club Estovest ein Repair-Café geben und ich bin sicher, dass die Initiative sich ähnlich erfolgreich entwickeln wird wie viele andere Aktivitäten in meinem Lieblingsclub.

Alex Indra hat ein paar sehr schöne Fotos vom ersten Repair-Café im Ostwest Club Estovest gemacht.

Alex Indra Repair Cafe Hände

Alex Indra Repair Cafe Tischler

Alex Indra Repair Cafe Kabel abisolieren

Alle Fotos: Alex Indra

Leben in der Wegwerfgesellschaft
Eine der Perversitäten unserer Zeit ist der Umstand, dass wir uns daran gewöhnt haben, in einer Wegwerfgesellschaft zu leben. Geräte, Gebrauchsartikel, Lebensmittel – von allem wird der Großteil mittlerweile nach kurzer Zeit weggeworfen. Oft sogar, ohne gebraucht oder genutzt worden zu sein.

Es gibt Studien, die nachweisen, dass über die Hälfte der Kleidungsstücke, die in Deutschland verkauft werden, nur ein Mal oder gar nie getragen werden. Bei den Lebensmitteln geht man davon aus, dass zwischen 30% und 50% weggeworfen oder erst gar nicht geerntet oder verarbeitet werden.

Viele Produkte haben heute eine technisch herbeigeführte Begrenzung der Lebenszeit. Man spricht von der kontrollierten Obsoleszenz. Ingenieurleistung wird eingesetzt, um die Funktionsdauer von Geräten einzuschränken. Design wird als Treiber verstanden, Produkte, die ihre Funktion perfekt erfüllen, aus dem Nutzungszyklus auszugliedern. Das Diktat der Mode führt zu einer nie da gewesenen Ressourcenverschleuderung.

Kaufen für die Müllhalde?
Einer der bekanntesten Fälle der kontrollierten Obsoloszenz war das Glühbirnen-Kartell, das als „light bulb conspiracy“ in die Industriegeschichte eingegangen ist. Im Arte-Film „Kaufen für die Müllhalde“ wird auch ausgiebig darüber berichtet. Genauso wie über Drucker, die mit Software ausgestattet werden, um ihre Funktion nach einer gewissen Anzahl von Ausdrucken zu verschlechtern.

Wenn der Grad der Dekadenz einen Hinweis auf den Untergang von Zivilisationen darstellt, ist es bei uns nicht fünf vor zwölf sondern 30 Sekunden vor Mitternacht. Initiativen wie das Repair-Cafè im Ostwest Club Estovest sind ein kleiner Beitrag dazu, Wege aus der Wegwerfgesellschaft zu suchen.

Ceterum censeo! Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es in jedem größeren Ort in Südtirol einen Ostwest-Club geben sollte.

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2 Kommentare zu „Repair-Café im Ostwest Club | So gehört’s gemacht!

  1. Super Sache! Solche Repair-Cafès haben eine wichtige soziale Funktion.
    Falls ich mich nicht schlecht erinnere, wurde in einer anderen Reportage (Faszination Wissen vielleicht?) der Frage der kontrollierten Obsoleszenz nachgegangen.
    Fazit: meistens werden Elektroprodukte in der Consumer-Kategorie mit vorbestimmten, nicht zugänglichen und somit nicht reparierbaren Schwachstellen entwickelt und auf den Markt gebracht, damit der Verbraucher dann ein neues, erwerben muss. Versteht sich von selbst, dass mit begrenzten Ressourcen diese Sache der reinste Schwachsinn ist.
    Andererseits wurde von einem renommierten Ingenieur einer Prüfstelle klipp und klar so in etwa folgendes Statement abgegeben: Da es verschiedene Preisklassen für ein und dasselbe Gerät gibt, ist es offensichtlich, dass bei einem preiswerterem Produkt nicht dieselbe Lebensdauer eines teureren Gerät und auch einen zerstörungsfreien Zugang ins Innere zu erwarten sei.

    Deshalb überlege ich zuerst:
    a) benötige ich dieses Produkt überhaupt, oder ist in mir nur ein Verlangensreflex ausgelöst worden?
    b) was steckt alles hinter der Erschliessung der dazu nötigen Ressourcen, Fertigung, Logistik, Bewerbung?
    c) wo und unter welchen Arbeitsumständen wurde das Produkt gefertigt?
    d) ist es reparierbar/hackbar?

    So, das wollte nur ein kleiner Beitrag sein. Tschüs!

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