EU-Behörde auf Abwegen | Risiko bei Gen-Pollenausbreitung um Faktor 150 unterschätzt

Die EFSA ist eine Riesen-EU-Behörde für die Nahrungsmittelsicherheit. Sie hat ihren Sitz in Parma und beschäftigt rund 450 Mitarbeiter. Die Agentur wurde 2002 gegründet und hat die Aufgabe, politischen Entscheidungsträgern zuzuarbeiten, wenn es um die  Verabschiedung oder Überarbeitung europäischer Rechtsvorschriften über Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit, Entscheidungen über die Zulassung geregelter Stoffe wie Pestizide und Lebensmittelzusatzstoffe oder um die Entwicklung neuer rechtlicher Rahmen und Grundsätze geht, beispielsweise im Bereich der Ernährung.

Die Agentur beschäftigt sich auch mit der Risikoabschätzung bei neuen Technologien und Methoden im Bereich der Lebens- und Futtermittel.

So war die Behörde auch stets involviert, wenn es darum ging, die Anpflanzung von genmanipulierten Pflanzen zu regeln, wie beispielsweise bei der Maissorte MON810 des US-amerikanischen Gentech-Konzerns Monsanto. Aktuell geht es auch um eine gentechnisch veränderte Sorte des US-Konzerns Pioneer, der die EU-Kommission vor dem EuGH verklagt hat, weil die Zulassung der neuen Sorte in den Augen des Konzerns durch die Kommission zu langsam vonstatten geht.

Gemeiner MaisDa die Anpflanzung von gentechnisch manipulierten Pflanzen in Europa sehr umstritten ist, wurden in der Vergangenheit Gutachten der EFSA zur Risikoabschätzung bei der Anpflanzung von Genmais eingeholt. Dabei ging es vor allem darum, wie weit die Pollen von Mais fliegen und damit die Genstruktur angrenzender Maispflanzungen verändern können.

Die EFSA war in ihren bisherigen Gutachten stets davon ausgegangen, dass ein Sicherheitsabstand von 30 Metern rund um die Felder mit Gen-Mais ausreiche, um eine Kontamination angrenzender Feldern zu verhindern.

Nun hat eine Studie der Universität Bremen ergeben, dass diese Einschätzung grundlegend falsch ist und nachgewiesen, dass Pollen von gentechnisch verändertem Maispflanzen in einzelnen Fällen bis zu 4,5 Kilometer weit fliegen können. Das heißt: Die mögliche Ausbreitung von Gen-Pollen ist beim Mais bis zu 150 Mal höher als von der Behörder bisher angenommen. Die Bremer Forscher hatten rund zehn Jahre lang an 216 Standorten den Pollenflug erhoben.

Für mich stellt sich schon die Frage, wie die Behörde zu diesen Einschätzungen gelangen konnte, die – wie man sieht – mit der Realität absolut nichts zu tun haben und die nur als Ergebnis intensiven Lobbyings durch die Konzerne interpretiert werden können. Die EFSA will nun die Risikobewertung überdenken.

Zum wiederholten Mal stellt sich heraus, dass die Warnungen von besorgten BürgerInnen vor den Auswirkungen der Gentechnik mehr als berechtigt sind, auch wenn sie als hyperventilierende Spinner dargestellt werden. Als weitere Konsequenz ergibt sich für mich, dass wir gut daran täten, der EFSA intensiver auf die Finger zu schauen. Denn die groben Fehleinschätzungen beim Pollenflug könnten nur ein Symptom für ähnliche Schlampereien in anderen Bereichen sein. Und dafür ist die Nahrungsmittelsicherheit ein zu sensibles Thema.

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