„Nur klein und öko garantiert Essen für alle!“ | Vandana Shiva in Bozen

Da nun die Video-Aufzeichnung des Abends mit Vandana Shiva und anderen Gästen anlässlich des Tages der Entwicklungszusammenarbeit am 25. September 2015 in Bozen zur Verfügung steht, habe ich sie am Ende des Artikels hinzugefügt und den ganzen Artikel noch mal in die erste Reihe gehoben.

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Gestern war Vandana Shiva in Bozen. Eine sehr beeindruckende Frau, die globale Herausforderungen und Probleme aus der Sicht der 99% schonungslos auf den Punkt bringt. Wenn man sie lässt.

Denn das schien am Anfang gar nicht so sicher. Die Rede der alternativen Nobelpreisträgerin war für 19 Uhr angekündigt. Gegen 19.15 Uhr sprach EURAC-Präsident Roland Psenner einige kurze Grußworte und übergab das Mikrophon an die Amtsdirektorin im Amt für Kabinettsangelegenheiten, Elisabeth Spergser, die Geduld und Nerven des zahlreich erschienenen Publikums und der illustren Gäste mit einer endlos langen und öden Rede auf eine harte Probe stellte.

Als Spergser endlich fertig hatte – sie hatte sogar einen Abtrittsapplaus überhört – ging Verena Gschnell von der OEW noch kurz auf die Tagung ein und endlich war das monumentale und optisch störende Rednerpult der EURAC frei für Vandana Shiva.


Wie schaffen wir es, dass jeder Mensch genug zu essen hat? Damit beschäftigte sich der Tag der Entwicklungszusammenarbeit am 25.9.2015 in Bozen

Mit chirurgischer Präzision und in einer einfachen aber wirkungsvollen Sprache legte die indische Menschenrechtsaktivistin die großen Probleme der Welternährung offen: Gierige Konzerne reißen in Kumpanei mit korrupten Politikern immer mehr Land an sich, die hoch industrialisierte Landwirtschaft trägt weniger zur Ernährungssicherheit bei als kleinstrukturierte und nachhaltige Landwirtschaft, die Spekulation mit Land und Nahrungsmitteln macht den Hunger in der Welt zur Dauererscheinung. Immer mehr Nahrungsmittel werden für die Herstellung von Agro-Sprit eingesetzt, Tausende indische Bauern bringen sich um, weil sie nicht mehr aus der Verschuldungsfalle kommen, in die sie durch Ankauf von Konzernprodukten geraten sind und keine ausreichenden Preise für ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse erwirtschaften können.

Dann begann die Debatte in größerer Runde.

Mit am Podium recht beeindruckende Leute: Gaetano Pascale, Vorsitzender von Slow Food Italia, der kambodschanische Journalist Vunty Houth, Jan Urhahn von INKOTA Berlin, Fair trade Pionier Heini Grandi und Stefania Picinelli von der NGO NRO GVC Bologna rundeten das vielschichtige Bild zur Ernährungssituation ab.

Vunty Houth ist Direktor von Radio Asia Free. Er lebt gefährlich, denn sein Sender kritisiert Landgrabbing – die Aneignung riesiger Landflächen durch Konzerne – in Kambodscha und Asien und will den Menschen eine Stimme geben, die durch diese verbrecherische Politik in Not geraten.

Jan Urhahn von INKOTA Berlin zeigte die Komplexität des Problems auf und führte allen vor Augen, dass es keine einfachen Lösungen für diese sehr schwierigen Fragen gibt. Sehr interessant war sein Handlungsvorschlag: Überall in der Welt sollten engagierte BürgerInnen Ernährungsräte bilden, die in ihrem Einzugsgebiet die Ernährungssituation analysieren und deren vielfältige Aspekte im Auge behalten sollten.

Stefania Piccinelli von NRO GVC engagiert sich in alternativen Landwirtschaftschaftsprojekten im Maghreb und forderte dazu auf, diesen interessanten, facettenreichen und nahen Ländern mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Slow Food Italien Präsident Gaetano Pascale unterstrich die Rolle der Konsumenten und die Potenziale einer Vernetzung von kleinen Produzenten und Konsumenten und kritisierte deutlich, dass der institutionelle und normative Rahmen für kleine Qualitätsproduzenten nachgerade erdrückend geworden sei. Die Großen hätten Einfluss auf die Politik und nutzten diesen dazu, die Spielregeln in ihrem Sinne zu gestalten.

Heini Grandi strich die Bedeutung des fairen Handels heraus, der seine Aufgabe in der Herstellung einer Beziehung zwischen kleinen Produzenten und den Konsumenten sieht.

Immer wieder beeindruckend präsent: Vandana Shiva. Sie lieferte Zahlen, Argumente und Vorschläge, die ganz klar den Nachweis erbrachten, dass eine kleinräumige und kleinstrukturierte ökologische Landwirtschaft ohne die zerstörerischen Methoden und Produkte der gewissenlosen und gierigen Konzerne der einzige Weg ist, alle Menschen auf diesem Planeten gesund und nachhaltig zu ernähren.

Nun ist auch die Aufzeichnung des Abends im Internet verfügbar.

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