Der zentrale Treiber ist der Konsum | Interessante Debatte im UFO/Zigori-Club

Nachdenken am Podium, Nachdenken im zahlreich erschienen Publikum und ein respektvoller Dialog über Lebensmittelproduktion und Konsum – mit diesen Worten kann man den Debattenabend des UFO/Zigori-Clubs im Rahmen der Reihe start.klar. am 10. Dezember im UFO in Bruneck zusammenfassen.

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Ich hatte den Fleisch-Industriellen Franz Senfter und den Bio-Bauern und Bioland Südtirol Obmann Michael Oberhollenzer eingeladen, um im Dialog zu klären, ob regionale Lebensmittelproduktion, kurze Wege und Bio-Herstellung eine romantische Vorstellung sind oder eine konkrete Option darstellen.

Diese Frage konnte im Laufe der Debatte nicht abschließend geklärt werden. Es stellte sich heraus, dass die Unterschiede zwischen den beiden Realitäten als unüberbrückbar gesehen werden und dass viele Mechanismen unseres aktuellen Wirtschaftssystems zu zwingend erscheinen, als dass eine eindeutige Aussage getroffen werden könnte.

Franz Senfter gab einen Einblick in die Welt der industriellen Produktion und kam dabei zum Schluss, dass er als großer Player einer Reihe von Sachzwängen unterworfen ist, auf deren Gestaltung und Wirkungen er nur einen geringen Einfluss hat. Er bezeichnete sein Unternehmen als Rad in einem System, das vor allem von den Entscheidungen in der Politik abhängig ist. Ohne Umschweife räumte Senfter ein, dass er sich schon manchmal die Frage stelle, ob er auf den richtigen Pferd sitze, wenn er beispielsweise mit schlimmen Auswüchsen bei der Tierhaltung konfrontiert ist. Hier sei aber der Gesetzgeber gefordert und die Sensibilität in diese Richtung sei gestiegen.

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Franz Senfter machte vor allem bei den Konsumenten die Hauptverantwortung für die Entwicklungen im Produktionsbereich fest und gab einen Einblick in die rapiden Veränderungen im Bereich des Handels, auf die die Produzenten reagieren müssen. Durch den Vormarsch der Discounter geraten die Preise immer stärker unter Druck und damit die Produzenten, die den Druck auf die Vorlieferanten weitergeben.

Michael Oberhollenzer verwies auf absurde Situationen in der Lebensmittelproduktion. Die Futtermittel kommen aus Südamerika und immer stärker von genmanipulierten Pflanzen, die unter Einsatz von viele Chemie „optimiert“ werden. Gleichzeitig werden Milchprodukte aus Südtirol in Südkorea verkauft.

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Dazu kommt laut Oberhollenzer, dass der Markt in Europa wesentlich mehr Bio-Produkte aufnehmen könnte, vor allem im Bereich der Milch und Milchprodukte. Es sei mehr als unverständlich, dass es nicht gelinge, die Südtiroler Milchbauern davon zu überzeugen, auf Bio-Produktion umzustellen, nachdem sie bereits von den Geschäftsführern der Milchhöfe händeringend darum gebeten würden.

Dass ein Umdenken im Gange ist, meinte Oberhollenzer, erkenne man aber deutlich und nicht nur auf Konsumentenseite. So kommen in diesem Jahr im Vinschgau 80 Hektar neue Bio-Obstwiesen hinzu und bereits jeder zweite Bio-Apfel, der in Europa verkauft wird, komme aus Südtirol. Und: Es gebe bereits eine konsistente Kundenschicht, die faire Preise für biologische oder hochwertige Lebensmittel aus der Region akzeptiert und damit Bauern wie ihm das Überleben sicher stellen.

Immer wieder tauchte die entscheidende Rolle der Konsumentinnen und Konsumenten im Gespräch auf, die – so Oberhollenzer – ihre Geldscheine einsetzen, wie Stimmzettel. Sie sollten sich fragen, wie es dem Huhn gehe, das gerade dabei ist, ein Ei für sie zu legen und dann entsprechend entscheiden.

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Diese Verantwortung wurde auch in den zahlreichen Statements aus dem Publikum betont, in denen auch die Nachdenklichkeit im Vordergrund stand und des Bewußtsein zu erkennen war, dass es mit platten Schuldzuweisungen und radikales Systemkritik nicht getan ist.

Wie eingangs beschrieben, war der Abend vor allem von Respekt und Nachdenklichkeit geprägt. Darin besteht auch das Hauptziel der Reihe start.klar. im UFO/Zigori-Club, der einen Beitrag zur Verbesserung der Debatten- und Streitkultur leisten will, die in Südtirol noch erheblicher Verbesserung bedarf. Sich zuhören und ein respektvolles Miteinander gehören ebenso dazu, wie das Aufzeigen von Missständen und Anregungen zur Änderung des persönliches Lebensstiles. Es stellt sich immer stärker heraus, dass der persönliche Lebensstil der entscheidende Treiber für Änderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft darstellt.

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