Verschwörungspraxis | Der Blackrock-Kapitalismus

cover-blatter-oktober-16In der Oktober-Nummer der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ ist ein Artikel von Werner Rügemer erschienen, der in leicht lesbarer Form und mit überzeugender Argumentationsführung umfassend darstellt, wie krank unser Wirtschaftssystem ist, wer es infiziert und ausbeutet und wer dabei willfährig Hilfe leistet.

„Blackrock-Kapitalismus | Das neue transatlantische Finanzkartell“ ist der Artikel übertitelt. Auf nur zehn Seiten gelingt es Werner Rügemer ein umfassendes Schlaglicht auf den Finanzriesen Blackrock und dessen Macht im internationalen Finanzgeschäft zu werfen und dabei seine These zu untermauern, dass wenige Akteure nahezu jeden wirtschaftlichen Akteur für ihre Profitinteressen nutzen können.

Die Macht dieser transatlantischen Finanzkonzerne ist offenkundig grenzenlos. Sie agieren auf den Börsen (deren Mehrheitseigner sie sind) genauso wie in den Steueroasen (die sie vor dem Zugriff der Kontrolleure schützen), hetzen Konzerne aufeinander (wobei sie bei beiden bestimmende Beteiligungen haben), verdienen am Aufstieg von Unternehmen genauso wie an deren Zerschlagung und erpressen ganze Staaten (nicht zuletzt durch die Arbeit der Ratingagenturen, an denen sie bestimmende Beteiligungen  halten) und betreuen die Datenverwaltungssysteme von Staatsfonds und von 50 Zentralbanken.

Hier einige Zitate aus dem Artikel, die Lust am Lesen machen sollten:

Diese von Fink mitentwickelten Finanzspekulationen verhalfen Blackrock zu seinem ersten großen Sprung. Sie führten 2007 zum Bankrott der traditionellen westlichen Banken, der so genannten Finanzkrise.

… von der Blackrock massiv profitierte.

Der Finanzkonzern ist „gut vernetzt“

So ist Blackrock heute etwa Großaktionär in allen 30 deutschen DAX-Konzernen, in mehreren sogar Hauptaktionär.

Vor kurzem wurde Monsanto von Bayer übernommen. In beiden Konzernen hält Blackrock bestimmende Aktienpakete.

Für das Schauspiel der „feindlichen“ Übernahme hetzten Blackrock & Co. die beiden Unternehmensvorstände gegeneinander auf: Sie sollten den Verkaufspreis in die Höhe treiben und die gewinnsteigernden Begleit- und Folgemaßnahmen vorbereiten.

(…)

Mit dem Zusammenschluss von Bayer und Monsanto entsteht der weltweit größte Konzern der Agrochemie – mit Blackrock als Hauptaktionär.

Umfassender „Service“ sorgt für Profite.

Weitere Gewinnquellen erschließen Blackrock & Co. bei solchen Fusionen etwa bei der Vermittlung der Kredite für den Kaufpreis, der im Fall von Bayer-Monsanto 59 Mrd. Euro betragen soll.

Die aktuellen Turbulenzen um die Deutsche Bank nutzen den Finanzhaien. Denn sie haben bei allen führenden Großbanken die Finger im Spiel und verwandeln die globale Wirtschaft in ihre Spielwiese.

Doch neben diesen „offenen“ Geschäften operieren Finanzinvestoren wie Blackrock & Co. auch im Schatten, wo sie eine regelrechte Finanz-Parallelwelt aufbauen.

(…)

Zur okkulten Parallelwelt gehören die zwei Dutzend wichtigsten Finanzoasen zwischen den Cayman Islands und Luxemburg.

(…)

Blackrock selbst hat seinen operativen Hauptsitz in New York, den rechtlichen Hauptsitz aber in der größten Finanzoase der Welt, im US-amerikanischen Bundesstaat Delaware.

Das Wohl und Wehe ganzer Staaten hängt mittlerweile von Ratings ab.

So waren Blackrock, Capital Group, Vanguard, State Street und T Rowe Price während der Anbahnungsphase der letzten Finanzkrise gleichzeitig Mehrheitsaktionäre in den beiden größten Ratingagenturen Standard&Poor’s und Moody’s, und sie blieben dies, allen Interessenkonflikten zum Trotz, auch nach der Krise.

Auch Steuermittel schmecken den Finanzhaien

So kauft Blackrock rechtzeitig Aktien von Banken, denen es schlecht geht – wie beispielsweise ab 2013 der italienischen Bank Unicredit und besonders von Insolvenz bedrohten Monte dei Paschi di Siena -, um dann von der italienischen Regierung mit Steuergeldern gerettet zu werden.

Im nächsten Kapitel kommt Rügemer auf einen weiteren „Erfolgsfaktor“ für die Finanzkonzerne zu sprechen: Die „strategische Personalpolitik“, die auch politische Mandatsträger einschließt. Laurence Fink, Chef von Blackrock, setzt dabei auf die Demokraten.

Denn obwohl die alte Wall-Street-Garde politisch eher mit den Republikanern verbunden ist, ist die Deregulierung der Finanzwelt seit der Präsidentschaft Bill Clintons vor allem Angelegenheit der Demokraten.

Die Macht von Blackrock & Co. erstreckt sich auch auf Europa.

Zudem erstellte Blackrock im Auftrag der EU bzw. der Troika die Risikoanalysen für die Bankenrettungen in Irland, Griechenland, Großbritannien und Zypern. Gleichzeitig mit der Troika – und getarnt als „Projekt Solar“ – war die Blackrock-Truppe in Athen unterwegs und unter dem Decknamen „Claire“ auch in Zypern. Bei all diesen Einsätzen ging und geht es für den Insiderhändler Blackrock direkt und indirekt immer auch um die Rettung eigener Engagements.

Rügemer kommt zu drastischen Schlussfolgerungen.

Stattdessen agieren die großen transatlantischen Banken und Finanzinvestoren in einer zunehmend antidemokratischen Parallelwelt, die sich jeder politischen Kontrolle mehr und mehr entzieht.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer taucht auf.

Das voraussichtliche Scheitern von TTIP gibt dabei immerhin Anlass zu vorsichtiger Hoffnung – vor allem dann, wenn die Auseinandersetzung dabei nicht stehen bleibt, sondern sich auch auf die Interessen und Strukturen hinter den Freihandelsverträgen richtet.

Der Artikel kann auf der Webseite der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ um 2.- Euro erworben werden.

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2 Kommentare zu „Verschwörungspraxis | Der Blackrock-Kapitalismus

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