Zweites UFO SOCIAL FORUM in Bruneck | Ein Abend im Zeichen von Solidarität und Mitmenschlichkeit

Am 10. November fand im Jugend- und Kulturzentrum UFO in Bruneck bereits zum zweiten Mal das UFO SOCIAL FORUM statt. Dabei treffen sich Menschen, die sich in Organisationen und Projekten der Sozial- und Gesellschaftsarbeit engagieren, um sich untereinander kennen zu lernen und Erfahrungen und Ideen auszutauschen.*

Nach einer ersten Stunde mit Begegnung und Austausch an Informationstischen, stellten sich acht Initiativen und Projekte im Rahmen einer Präsentation vor, an der auch Soziallandesrätin Martha Stocker teilnahm. Die Landesrätin hörte interessiert zu, stellte Fragen und gab ihrerseits Informationen zur Sozialarbeit.

Zum Einstieg begrüßte der Bürgermeister der Stadtgemeinde Bruneck und Präsident der Bezirksgemeinschaft Roland Griessmair die Anwesenden und gab seiner Freude über die Initiative Ausdruck. Dann wurden die Vertreter der Initiativen und Projekte sukzessive auf die Bühne gebeten und von Moderator und Mitgestalter Markus Lobis vorgestellt und befragt. Neben spezifischen Fragestellungen zu den Tätigkeiten wurde auch herausgearbeitet, was sich die engagierten Menschen von der Zivilgesellschaft erwarten und was die Politik tun kann, um den Erfolg der Initiativen, Projekte und Ideen sicher zu stellen.

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Bürgermeister und Bezirksgemeinschaftspräsident Roland Griessmair begrüßte die anwesenden Vertreter der teilnehmenden Organisationen und Projekte, Landesrätin Martha Stocker und das Publikum des 2. UFO SOCIAL FORUM (alle Fotos: Gunther Niedermair/UFO)

Zwischen den einzelnen Vorstellungen entspann sich ein lebhafter Meinungsaustausch mit Landesrätin Stocker. Als erster kam der Beirat für Integration und Migration der Stadtgemeinde Bruneck dran. Der Vorsitzende Leon Pergjoka und seine Stellvertreterin Jareerat Srisangrat stellten ihn vor. Der Beirat hat zehn Mitglieder aus aller Welt und aus Bruneck und wurde von der Gemeinde Bruneck eingesetzt. Er beginnt gerade mit seiner Arbeit und schafft zur Zeit die Voraussetzungen organisatorischer Art. Schon in Kürze sollen erste Aktionen und Veranstaltungen starten.

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Leon Pergjoka und Jareerat Srisangrat stellten dem Publikum und der Landesrätin Martha Stocker Beirat für Migration und Integration der Stadtgemeinde Bruneck vor

Die Frage, ob in Südtirol auf Integration gesetzt werden soll oder die Entwicklung eher in Richtung einer Inklusions-Gesellschaft laufen sollte, wurde angerissen, aber nicht abschließend behandelt, weil diese Debatte einen eigenen Abend füllen kann.

Dann stellten Evelin Messner und Viktoria Trojer das Projekt „Time sharing“ der Bezirksgemeinschaft Pustertal vor. Menschen in schwierigen Lebenslagen sollen vor Vereinsamung und sozialer Abkapselung bewahrt und ihre soziale Teilhabe gefördert werden. Dazu werden gerade 20 ehrenamtliche Helfer ausgebildet, die diesen Menschen dann Zeit schenken und sie zu Veranstaltungen und öffentlichen Ereignissen begleiten. Messner und Trojer äußerten ihre Begeisterung darüber, dass sich gleich so viele gemeldet haben, die Zeit schenken wollen.

Die Gewerkschaft SGBCISL hat ihren jungen Mitarbeitern Freiraum gegeben und sie aufgefordert, sich Gedanken über die Zukunft der Gewerkschaft zu machen und Wege zu suchen, junge Leute anzusprechen. Entstanden ist die Initiative „Jugend und Gewerkschaft SGBCISL – Young SGBCISL“, die von Josef Untermarzoner und Elisabeth Wierer vorgestellt wurde. Wichtig ist den jungen Gewerkschaftern, junge Leute in der Arbeitswelt nicht allein zu lassen, in Zeiten der ausufernden Praktika und prekären Arbeitsverhältnisse.

Landesrätin Stocker begrüßte die Tatsache, dass junge Leute sich verstärkt in der Gewerkschaftsarbeit engagieren. Sie wies auch darauf hin, dass schon in absehbarer Zeit mit einem massiven Arbeitskräftemangel zu rechnen sei, vor allem bei qualifizierten Jobs.

Als nächstes Projekt stellten Edina Pusztai Nonn und Tanja Federici die MigrantInnenberatungsstelle INPUT der Caritas Südtirol vor. Diese Stelle ist schon seit elf Jahren tätig und wurde – wie so viele Initiativen und Ideen im Bereich der Sozialarbeit im Pustertal – von Marcello Cont von der Bezirksgemeinschaft Pustertal angeregt. INPUT steht für alle Belange und Bedürfnisse der ca. 4.500 Menschen mit Migrationshintergrund im Pustertal zur Verfügung und betreut ca. 1.300 davon. Die größten Probleme, die dabei zu bewältigen sind, hängen mit der Beschaffung von Arbeit und Wohnraum zusammen.

Siticibo/Banco Alimentare Trentino Südtirol ist eine Organisation, die seit 2003 tätig ist. Sie wurde beim Forum von Luca Merlino und Antonino Deola vorgestellt. Siticibo sammelt Lebensmittel, die kurz vor dem Verfallsdatum sind und verteilt sie an karitative Einrichtungen und Mensen. Im letzten Jahr wurden im Trentino und in Südtirol auf diese Weise über 1,2 Millionen Kilo an Lebensmitteln kostenlos gesammelt und verteilt, die Hälfte davon in Südtirol. In Südtirol sind 43 karitative Einrichtungen konventioniert, die rund 8.000 Bedürftige versorgen.

Der Bildungsausschuss von Olang hat in Zusammenarbeit mit dem KVW Mitterolang und dem Katholischen Familienverband Oberolang eine Reihe von Aktionen und Begegnungen rund um die in der Gemeinde lebenden MigrantInnen gestartet. Rosa Rauter und Elisabeth Bachmann berichteten von durchaus positiven Erfahrungen, die sich dann einstellen, wenn man beginnt sich kennen zu lernen. Im nächsten Jahr laufen die Bemühungen um Austausch und Begegnung weiter und zwar in einem Bereich, der alle Menschen gleichermaßen betrifft: Beim Essen. Die engagierten OlangerInnen planen einen Kochkurs für marokkanische Speisen. Schon in der Vergangenheit ist nach einem gemeinsamen Kochen ein Kochbuch entstanden, mit dem bezeichnenden Titel „So kocht Südtirol auch“.

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Rosa Rauter und Elisabeth Bachmann berichteten von verschiedenen Aktivitäten, die in Olang in Sachen Integration von MigrantInnen unternommen wurden und werden

Als nächste Projekt wurde ein Studie vorgestellt, die gerade im Entstehen ist. Marcello Cont stellte sie vor. Drei Monate lang wurde in Zusammenarbeit mit dem Sozialforscher Francesco Campana das Phänomen der Bettelei erhoben und 77 Beobachtungstage durchgeführt. Was dabei herausgekommen ist, wird in den nächsten Tagen im Detail vorgestellt. Marcello Cont und Francesco Campana ließen durchblicken, dass dabei durchaus interessante Fakten zu Tage treten werden. Durch die Zusammenarbeit mit Kaufleuten, der Gemeinde und verschiedenen Vereinen wurde darüber hinaus das Bewußtsein für das Phänomen der Bettelei gestärkt und alle Beteiligten fühlten sich ernst genommen. Nur auf dieser Grundlage können steuernde Maßnahmen und koordinierte Interventionen gestartet werden, die die Bettelei in halbwegs geordnete Bahnen lenken können.

Z wie Zebra, das war der Abschluss des Abends. Zebra ist ein seit 2014 sehr erfolgreiches Straßenzeitungsprojekt der Organisation für Eine Welt/OEW, die in Brixen tätig ist. Koordinator Georg Hofer und Redaktionsleiterin Lisa Frei stellten Zebra vor und gaben Einblick in ihre Tätigkeit. Die Zeitung wird in einer Auflage von 12.000 bis 15.000 Exemplaren monatlich gedruckt und von bedürftigen Menschen verkauft, die einen Euro des Kaufpreises von 2.- Euro einbehalten dürfen. Lisa Frei stellte bei der Gelegenheit die aktuellste Nummer vor, die am Tag des UFO SOCIAL FORUM erschienen ist und übergab sie an Landesrätin Stocker. Georg Hofer gab Einblick in die nicht immer leichte Aufgabe, die teilweise übermotivierten Verkäufer zu koordinieren.

Zum Abschluss des Abends gab Landesrätin Stocker Ihrer Freude darüber Ausdruck, so viel an Solidarität, Engagement und wohltuenden Ideen erleben zu dürfen. Das passiere ihr nicht alle Tage.

Anschließend ging die Vernetzungsarbeit an den Info-Tischen weiter und es herrschte die einhellige Überzeugung vor, dass das UFO SOCIAL FORUM für die Vernetzung und Motivation sehr hilfreich ist und dass dieses Gemeinschaftsprojekt von UFO, KVW Pustertal und Zigori MEDIA im nächsten Jahr eine Fortsetzung finden möge.

*Auf youtube.com findet sich eine Tonaufzeichnung des Abends.

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