Das Gsiesertal als Vorreiter? | Reduktion der Strahlung bei Mobilfunk ist machbar

Anbei der Bericht von einer recht bewegten Bürgerversammlung in St. Martin im Gsiesertal, die ich letzte Woche moderieren durfte. Seither bin ich überzeugt: Wir müssten nicht so viel Strahlung von Mobilfunk und Datenübertragung ertragen, wenn der Schutz der Menschen und der Natur Vorrang vor den kurzfristigen Interessen der Konzernwirtschaft hätte.

Die Tonaufzeichnung des Abends finden Sie  → hier.

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(Fotos: Ulli Bachmann, Bürgerinitiative St. Magdalena)

Die Bürgerinitiative St. Magdalena hatte am 24. November in das Bürgerhaus in St. Martin/Gsies geladen, um einen Beitrag zur Debatte um die Errichtung eines Umsetzers im Talschluss zu leisten. Dipl. Ing. Jörn Gutbier von der Initiative DIAGNOSE-FUNK e.V. war ins Gsiesertal gekommen, um technische Alternativen zu einem konventionellen Umsetzer aufzuzeigen und um die Gsieser aufzufordern, ein Pilotprojekt zur Strahlenreduzierung anzuregen und trotzdem in ihrem Gebiet nahezu uneingeschränkt telefonieren zu können.

Nach einer Begrüßung durch Ulli Bachmann ging Jörn Gutbier auf verschiedene Aspekte der modernen Mobiltelefonie ein und lieferte Zahlen und Fakten zur Gesundheitsbedrohung, die von der Mobiltelefonie und der Funkübertragung von Daten ausgeht. Es sei erwiesen, dass die Telefondienste und die Datenübertragung über Funkwellen teilweise drastische Auswirkungen auf die Gesundheit haben, die von Stress, Schlafproblemen, Herz-/Kreislauferkrankungen und Zell- und DNA-Veränderungen bis hin zu einem wesentlich schnelleren Wachstum entstehender Tumore führen können.

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Dipl. Ing. Arch. Jörn Gutbier

Gutbier erklärte im Rahmen seines Vortrags die Funktionsweise und die Eigenheiten verschiedener Übertragungstechnologien und die damit verbundene Strahlungsart und -intensität. Er ging auf eine Vielzahl von Studien ein, die bei der Weltgesundheitsorganisation WHO akkreditiert sind und führte aus, dass sich viele Studien und Gutachten für eine erhebliche Reduzierung der bestehenden Grenzwerte aussprechen.

Gutbier schlug in der Folge eine Reihe von Maßnahmen vor, die die Strahlenbelastung erheblich verringern könnten und die das Gsiesertal als Urlaubsort für die steigende Zahl von Menschen profilieren könnte, die der omnipräsenten hohen Dauerbestrahlung entfliehen möchten. In Deutschland gäbe es schon Luxushotels, die mit abgeschirmten Zimmern werben.

Eine der vorgeschlagenen Maßnahme besteht darin, dass die Gemeinde fordern sollte, dass nur ein Anbieter mit Hilfe eines neuen Umsetzers den Talschluss abdeckt und die anderen Betreiber sein Netz mitnutzen müssen. So werde vermieden, dass drei oder mehr Mobiltelefonie-Anbieter jeweils drei Übertragungstechnologien – GSM, UMTS, LTE – anbieten, die entsprechenden Sendeanlagen parallel betreiben und damit die Strahlenbelastung vervielfachen ohne die Nutzungsqualität zu erhöhen.

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Sehr viele Gsieserinnen und Gsieser waren der Einladung zum Informationsabend gefolgt

Es sei sehr zu begrüßen – so Gutbier – dass in Gsies in absehbarer Zeit hochkapazitive Datenleitungen über Glasfaserkabel angeboten werden können, die hauptsächlich für die Datenübertragung genutzt werden sollten und die die Handynutzung in den Gebäuden und in deren Umfeld durch W-Lan unterstützen könnten. W-Lan sei zwar auch mit erheblicher Strahlung verbunden, könne aber beispielsweise nachts ausgeschaltet werden und strahle auf jeden Fall geringer als Sendeanlagen, die jeden Winkel erreichen und die Gebäudehüllen durchdringen müssten.

Gerade die Tatsache, dass die Mobilfunkbetreiber sicherstellen wollen, dass auch in entfernten Winkeln in Gebäuden ungestört telefoniert werden kann, erfordere eine um ein Vielfaches höhere Strahlungsleistung als sie für die Abdeckung der Außenbereiche erforderlich wäre.

Deshalb schlug Jörn Gutbier vor, Innen- und Außenversorgung zu trennen und die Innenversorgung der Gebäude durch kleine Hausverstärkungsgeräte oder örtliche Femtozellen sicher zu stellen, die gerade von großen Herstellern auf den Markt gebracht werden. Diese Geräte gewährleisten einen lückenlosen Übergang der Telefonsignalabdeckung zwischen Innen- und Außenbereich und hätten darüber hinaus den Vorzug, beispielsweise in den Nachtstunden abgeschaltet werden zu können.

Nach den Ausführungen Gutbiers entspann sich eine angeregte Debatte, während der ich als Moderator einige Mühe hatte, für einen geregelten Ablauf zu sorgen. Besonders die Befürworter der aktuell von der Gemeindeverwaltung vorangebrachten konventionellen Umsetzerlösung mussten mehrfach darum gebeten werden, die Spielregeln eines gepflegten Meinungsaustausches einzuhalten. Und dies obwohl außer Streit stand, dass nach Lösungen zu suchen ist, die auch im unterversorgten St. Martin und im Talschluss gutes Telefonieren ermöglichen.

Bürgermeister Kurti Taschler war der Veranstaltung mit dem Hinweis ferngeblieben, dass es nun nichts mehr zu diskutieren gebe und dass die Entscheidungen für eine konventionelle Umsetzerlösung in Zusammenarbeit mit der RAS bereits gefallen seien. Allerdings wurde während der Versammlung bekannt, dass die von der Sendeanlage betroffene Fraktionsverwaltung die diesbezügliche Abstimmung bei der letzten Sitzung vor der Informationsveranstaltung verschoben hatte. Drei der elf Gemeinderäte der politischen Mehrheit im Gsieser Gemeinderat waren bei der Informationsversammlung erschienen, was von einem Teilnehmer als trauriges Zeichen von Desinteresse gewertet wurde.

Die Bürgerinitiative St. Magdalena kündigte bei der Versammlung an, Bürgermeister Taschler eine Tonaufnahme des Vortrages zur Verfügung zu stellen, Jörn Gutbier seine aussagekräftige und mit vielen Fakten untermauerte Präsentation. Für eine gute Lösung sei es noch nicht zu spät.

Nach der Debatte appellierten Vertreter der Bürgerinitiative St. Magdalena an die Gemeindeverwaltung, die gemeinsame Suche nach einer strahlungsärmeren Lösung zu unterstützen und sich einem konstruktiven Dialog nicht zu verweigern.

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