Der ganze Zynismus neoliberaler Konzernwirtschaft | Andreas Pichlers neuer Film „Das System Milch“

Ich hatte Gelegenheit, den höchst interessanten Film „Das System Milch“ von Andreas Pichler vorab zu sehen.

Das System Milch Plakat

Ich beschäftige mich ja schon länger mit der industrialisierten Landwirtschaft, der Film von Andreas Pichler sorgt aber für Erkenntnisgewinn in ungeahnter Dichte.

Ich habe nun verstanden:

1) Die Konzerne zerstören ganze Großregionen und bauen Futter an, dass Bauern in der ganzen Welt kaufen müssen.

2) Die großen Bauern stehen unter einem brutalen Produktionsdruck und verdienen mit der von ihnen produzierten Milch netto kein Geld. Sie leben im Endeffekt von den EU-Subventionen, auch wenn sie 750 Kühe haben.

3) Die Großbauern sind hoch verschuldet und hoffen, dass die Versprechungen der Konzernmanager wahr werden und der Milchpreis endlich anzieht, weil die Chinesen uns „leersaufen“.

4) Die Konzerne übernehmen die Bauernhöfe (noch) nicht, weil sie auf diese Weise die Milch billiger bekommen, als sie sie selbst produzieren könnten. Der Bauer kostet den Konzernen heute weniger als ein Arbeitssklave auf den deregulierten Prekärarbeitsmärkten, weil die europäischen SteuerzahlerInnen die Gehälter zahlen.

5) Die EU schließt Freihandelsabkommen mit afrikanischen Ländern und erzwingt Zollfreiheit für die auf diese Weise produzierten Landwirtschaftsprodukte. Damit zerstört sie die Landwirtschaft in Afrika, weil die nicht so billig produzieren kann. Die „Söhne der Viehzüchter sterben in Libyen oder in den Booten“, wie es ein Afrikaner im Film auf den Punkt bringt.

6) Als Europäer schäme ich mich und bin erst recht motiviert, dazu beizutragen, dass diese Art von „Landwirtschaft“ – die eigentlich eine raffinierte Form der Konzernwirtschaft geworden ist – so schnell als möglich auf dem Müllhaufen der neoliberalen Wirtschaftsgeschichte landet.

7) Als Südtiroler freue ich mich, dass wir einen Visionär wie Alexander Agethle in unserem Land haben, der den Weg in die Zukunft weist. Gegen harte Widerstände im Bauernbund und auch in Südtiroler Vermarktungsorganisationen, die das hohe Lied der deregulierten Märkte singen und ausblenden, dass sie an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Auch wenn sie zurzeit erfolgreich sind, als Genossenschaften die Erträge an die Bauern weitergeben (müssen) und ein Geschäftsmodell verfolgen, das (noch) vertretbar erscheint, auch wenn sie immer stärker in den Strudel neoliberal bestimmter Märkte gezogen werden.


Auf ihn sollten wir hören! Alexander Agethle weist den Weg in die Zukunft.

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Ein Kommentar zu „Der ganze Zynismus neoliberaler Konzernwirtschaft | Andreas Pichlers neuer Film „Das System Milch“

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