Südtirol und die Doppelstaatsbür-gerschaft | Teil 1

Zwischen Pulverdampf und Nebel

So regelmäßig wie die Steuertermine, Weihnachten und die Lostage kommt für gelernte und ungelernte Südtiroler immer wieder die Debatte über die Doppelstaatsbürgerschaft in den heimischen Herrgottswinkel geschwappt.

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Einmal Opfer – immer Opfer: Hier kriegt Großvater Laurin vom Theodrich auf den Deckel

Zwischen Weichbrunntegel, Papstbild, Reinmichl-Kalender und „der Zeitung“ glimmt die Hoffnung auf Linderung der Leiden auf, die dieses arme Völklein seit Menschengedenken heimsuchen. Einmal im Form von Rätern, dann in Gestalt von Römern, dann Goten, dann Langobarden oder wie die geheißen haben, Luthrischen, Franzosen, Bayern und Walschen – bis hin zu zahlenden und neuerdings nicht zahlenden Ausländern, fremmen Sanitätsmanagern, auswärtigen Buchautoren/Filmemachern und andern Gelegenheits-VerbrecherInnen aus allen Parteien, die diesen edlen bergstürmenden Menschenschlag daran hindern, glücklich, zufrieden, fruchtbar und gleichgeschaltet selbstbestimmt auf und von der eigenen Scholle zu leben.

Ich muss gestehen, dass mir diese Doppelstaatsbürgerschaftsdebatte aus tiefsten Herzen unsympathisch ist.

Ich frage mich intensiv, warum ich dem so wenig abgewinnen kann, wenn ich im Internet die Debatten von rechtschaffenen und für die institutionalisierte Schizophrenie heißblütig eintretenden Edeltirolern verfolge, die schubkarrenweise gute Gründe für diese heilbringenden Papierseiten zwischen fälschungssicheren Pappedeckeln ins Gefecht führen und alle jene als liederliche Kantonisten und ignorante Kulturverleugner darstellen, denen das Ganze so unsympathisch ist wie mir.

Warum ist mir das nicht herzlich wurscht? Ich könnte mir ja denken: Kommt eh nicht, lass sie ins Leere laufen, irgendwann hört das schon auf. Aber es lässt mir doch keine Ruhe, weil in dieser Debatte eine ganze Reihe von fragwürdigen Deutungsdiskursen vorkommen und zahlreiche Konflikte und bedenkliche Entwicklungen in der Südtiroler Gesellschaft zu Tage treten.

Also, denke ich mir, die Doppelstaatsbürgerschaftsdebatte ist eigentlich ein Symptom für die tiefgreifende Orientierungs- und Perspektivlosigkeit, die die Zukunft der Südtiroler Gesellschaft lähmt und den weiteren Weg im dichten Nebel versinken lässt. Da scheint es für manche immer noch besser, anstatt voranzugehen und sich durch den Nebel zu tasten, nach hinten zu blicken, in den Pulverdampf.

(wird fortgesetzt)

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Ein Kommentar zu „Südtirol und die Doppelstaatsbür-gerschaft | Teil 1

  1. Mir auch: instinktiv zutiefst unsympathisch.
    Kompliment für deinen schreibstil, musik in meinen ohren(augen).

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