Dichtung und Wahrheit | Argumente pro und contra Einkaufszentrum am Beispiel des ECE in Hameln

In Südtirol wird schon seit Jahren über die Vor- und Nachteile von Einkaufszentren debattiert. Es ist nachgerade hanebüchen, was dabei an Argumenten pro Einkaufszentrum aufgeboten werden und die Erwartungen an eine neue großflächige Einkaufsstruktur wachsen in den Himmel.

Der Tiroler Investmentstar René Benko hat nun noch mehr Bewegung in die Debatte gebracht. Er will in Bozen einen riesigen Eingriff in die urbane Struktur tätigen und ein ganzes Viertel im Altstadtbereich umnutzen. Unter anderem soll dort auch ein für Bozner Verhältnisse sehr großes Einkaufszentrum entstehen. Mit über 35.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche würde dort die gesamte Handelsfläche der Bozner Altstadt praktisch verdoppelt.

Auch auf Facebook wird die Debatte rege geführt und prallen die Argumente aufeinander.

In diesem Zusammenhang habe ich bei einer kleinen Recherche eine interessante Studie gefunden. Das „Büro für Systemanalysen Dr. Klaus Peter Müller“ hat in einer interessanten und leicht lesbaren Gegenüberstellung die Argumente für ein geplantes Einkaufszentrum in Goslar mit jenen für eine vor wenigen Jahren errichteten Einkaufsgalerie in Hameln verglichen und die tatsächlichen Auswirkungen beim bereits realisierten Projekt in Hameln untersucht.

Natürlich kann die Untersuchung nicht 1:1 auf Bozen übertragen werden. Die wesentlichen Aussagen aber sehr wohl.

Und die widersprechen den vollmundigen Versprechungen von „Entwicklern“ und „Investoren“ auf sehr klare Weise:

(auf das Bild klicken, um zur Studie zu gelangen)
Studie Möller EKZ Hameln-Goslar

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2 Kommentare zu „Dichtung und Wahrheit | Argumente pro und contra Einkaufszentrum am Beispiel des ECE in Hameln

  1. Lieber Markus, leider lässt sich die Studie nicht öffnen, die Adresse sei ungültig meldet mein elektronischer Mitarbeiter. Zur Sache: Bevor solche Projekte angegangen werden, muss eine betroffene Stadt Marktforschung über den wirklichen Bedarf betreiben. Ich finde es ausgesprochen leichtfertig, sich von eiem „Investor“ auf diese Weise vorführen zu lassen. Ich habe selber als Architekt für solche Leute gearbeitet und nur schlechte Erfahrungen gemacht. Diese sogenannten Immobilien-Tycoons (vor denen die braven Stadtväter in die Knie gehen) sind wie die Heuschrecken: Sie fallen über ein Feld her, fressen alles kahl und verschwinden dann wieder. Benko ist genau dieser Typ, da muss man nicht Psychologie studiert haben, wenn man ihn sieht. Dieser jugendliche Gel-Kopf arbeitet mit russischem Geld im Hintergrund, realisiert und verkauft die Immobilie mit Gewinn und überlässt die verblüfften Nutzer der unausweichlichen „Absacke“ des Projektes, das dazu eine Reihe schon bestehender Verkaufsflächen obsolet macht. In Innsbruck hat Benko eine architektonische Betonmaschine in der Maria Theresia Straße hingeklotzt und ist dort nur mehr minimal daran beteiligt – was Wunder: es soll schon nicht mehr so gut gehen. Diese Einkaufsmaschinen gibt es mittlerweile in jeder Provinzhauptstadt und die Bozner Verantwortlichen täten gut daran, diese Dinger zu besuchen und sich den Verlauf der Bilanzen ehrlich vorlegen zu lassen sowie die Fluktuation und die meist absteigende Qualität des Angebots zu studieren. Im vorliegenden Fall ist die Begeisterung für das Projekt besonders kurzsichtig: Was soll den künftig noch in den Bahnhof hinein, wenn der Umbau dort vonstatten geht? Wer will denn dann noch da „investieren“ wenn schon gegenüber ein (vorauszusehender) Überhang besteht? Ich kann die Aktion der Bozner Kaufleute mit einem wesentlich kleineren Projekt, das dazu noch den Park erhält und auf einen Marktspiegel von Südtiroler Produkten abhebt, nur begrüssen. Und wenn es nur dazu dient, das völlig überzogene und städtebaulich widersinnige Benko-Projekt zu Fall zu bringen. Wenn das gelänge kann man immer noch über das Alternativprojekt im Detail reden. Soweit, so schlecht – aber noch nicht hoffnungslos! Herzliche Grüße Dein Andreas

    Andreas Gottlieb Hempel

    Prof. Dr.arch. Publizist Dipl.-Sommelier AIS Genussbotschafter Südtirol

    Via Otto von Guggenberg Str. 46 I-39042 Bressanone/Brixen(BZ) Festnetz +39 0472 836317 Mobilfon +39 349 7969334 info@agh.bz / http://www.agh.bz

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